Heimat, Heimweh und Nostalgie: Die Sehnsucht nach der „alten, schönen Zeit“

Susanne Scharnowski
Veranstaltungsdatum 28. Juli '20 20:00 - 21:30
Veranstaltungsort Pfarrgarten (Pfarrkirche Altenkirchen) • An der Kirche 1, Altenkirchen, 18556, Deutschland

 

"Nostalgie" bedeutet ursprünglich nichts anderes als "Heimweh." Erst in der Moderne bezeichnet Nostalgie nicht mehr die Sehnsucht nach einem Ort oder sozialen Lebenszusammenhang, sondern nach einer vergangenen Zeit, eine Art Heimweh nach einem früheren Zustand. Von ihren Kritikern wird Nostalgie als sentimentale und in der Regel illusionäre, verklärende und damit verzerrte Beziehung zur Vergangenheit begriffen. Vor allem aus Sicht der Psychoanalyse sind  Nostalgie und Regression aber nicht nur als sinnvolle und nachvollziehbare Reaktionen auf gesellschaftlichen Wandel oder als Bewältigungsstrategie, sondern auch als pathologisches Symptom bzw. als Fehlentwicklung im Prozess des Heranwachsens zum autonomen Individuum gedeutet worden. Heimweh oder nostalgische Erinnerungen an die Kindheit erscheinen als regressive Wünsche nach einer konfliktfreien Welt, als Sehnsucht nach einer Verschmelzung mit der Mutter oder schlicht als Weigerung, erwachsen zu werden. Zum Politikum wird Nostalgie vor allem dann, wenn zu befürchten ist, dass der Glaube an eine bessere Zukunft und an den Fortschritt nachlässt, wie schon in der ersten Nostalgiewelle der 1970er-Jahre. Aus politischer Sicht empfiehlt es sich allerdings immer, stärkere Nostalgiewellen als Hinweis darauf zu begreifen, dass in größerem Maßstab Werte, Dinge oder Zusammenhänge als bedroht erlebt werden. Die Ermahnung, die (meist durch Statistiken illustrierte) Überlegenheit der Gegenwart anzuerkennen, hilft vermutlich ebenso wenig wie die pauschale Verunglimpfung von Nostalgie.

Kommentare (1)

Gerhard Ziener

Zu weit weg von mir, aber dennoch eine tolle Veranstaltung bestimmt!!!

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