Blogbeitrag zum „Lord der Gärten“

wbg Redaktion • 10 Juni 2022
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Blogbeitrag zum

„Lord der Gärten“


Bildnachweis: SLUB Dresden/ Deutsche Fotothek
Bildnachweis: SLUB Dresden/ Deutsche Fotothek"

Am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert vollzieht sich eine grundlegende Zeitenwende: von seinem westlichen Rand ausgehend wird Europa, erst unter dem Eindruck neuer Ideen, dann unter dem Druck militärischer Gewalt, nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich neu geordnet.

In dieser Zeit lernen die Gesellschaften Europas neue Freiheiten kennen - politisch, sozial, intellektuell und künstlerisch. Wer mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit ausgestattet ist, kann nun auch in seinem individuellen Leben neue Freiheitsgrade realisieren.

So ist es einem reichen schottischen Lord in Sachsen möglich, nicht nur sein Leben der Suche nach seinem individuellen Glück im Zusammenleben mit einem Mann zu widmen, den er schließlich sogar zum Alleinerben seiner Besitzungen einsetzen und mit dem er das Grab teilen wird.

Gleichzeitig verfolgt er mit der lebenslangen Planung von Landschaftsgärten eine Leidenschaft für eine Kunstform, die selbst zutiefst durchdrungen und geprägt ist vom Geist dieser neuen Zeit.

Schließlich erweist sich der Lord der Gärten als Vertreter des späten „klassischen“ Stils des Englischen Landschaftsgartens, in der Nachfolge der Werke eines Lancelot „Capability“ Brown. In seiner schottischen Heimat versucht er, hochfliegende Pläne für eine gigantische Umgestaltung seiner Ländereien umzusetzen. Später, in seiner Wahlheimat östlich von Dresden, bemüht er sich dann durch die Umgestaltung des Elbhangs seine Konzeption einer Parkanlage zu verwirklichen, welche die umgebende Landschaft als Teil der Dramaturgie der Anlage einbezieht. So wird er zum Wegbereiter für die heutige Parklandschaft der „Elbschlösser“. Außerdem wirkt er als Berater und Anreger für die Neuanlage von Kurpromenaden in Karlsbad sowie ein Parkprojekt in der Lausitz, wo er einen barocken Schlosspark zu einem Englischen Park umgestaltet.

In dem Buch „Findlater - Lord der Gärten“, dessen Publikation für den Spätsommer 2022 vorgesehen ist, wird die Geschichte eines britischen Aristokraten erzählt, der seinen Lebensmittelpunkt vom nördlichen Rand Europas in die Mitte des Kontinents nach Dresden verlegte, um sich dort physisch und psychisch eine neue Heimat zu erschaffen. 
In Form von 15 Exkursen werden gleichzeitig wichtige Entwicklungslinien in der Entstehung der damals noch jungen Landschaftsarchitektur aufgezeigt.

Das Buch vermittelt dem historisch interessierten Leser ein anschaulich erzähltes Zeitporträt, schließt damit auch eine Lücke in der Lokalgeschichte der sächsischen Landeshauptstadt, und bietet nicht zuletzt einen mentalitätsgeschichtlichen Beitrag zur queer history.

Mit vielen Abbildungen und eigenen Grafiken werden die beschriebenen Orte und Ideen veranschaulicht.

Darüber hinaus bietet es dem sich für die Gärten und Parks des 18. und 19. Jahrhunderts interessierenden Laien eine verständlich und unterhaltsam geschriebene Einführung in wichtige Aspekte der Entstehungsgeschichte des Landschaftsgartens. 


Publishing ServicesDas Buch „Findlater - Lord der Gärten“ wird ca. im Spätsommer 2022 über die wbg Publishing Services erscheinen. Haben Sie eigene Publikationspläne, dann wenden Sie sich gerne direkt an die Kolleginnen und Kollegen unter diesem LINK!

Kommentare (3)

Merchan Agaricus

Ein schöner Beitrag. Für mich, der die Begriffe Landschaft und Architektur an sich nicht zusammenbringt, auch sehr interessant. Dass ein schottischer Aristokrat sich zur Lebens-Aufgabe macht, Landschaften zu gestalten, ist spannend.

Bei uns erledigen die Landschaftsgestaltung stets die Kühe mit ihren Weiden in den Bergen und der Mensch bedient sich der Wälder als Förster. Der Wald endet im Sägewerk, die Weiden entstehen. Das ist oberbayrische Landschaftsgestaltung.
Aber vielleicht kenne ich mich einfach nur nicht aus. Und lerne gerne dazu.

Gabriele Jung

Obwohl ich schon viel zu englischer Landschaftsgartenarchitektur gelesen und auch den einen oder anderen Park besucht habe, war mir der Name Lord Findlater und sein Wirken rund um Dresden kein Begriff. Deswegen freue ich mich sehr auf das Buch, auch weil mir Findlaters Lebensgeschichte spannend vorkommt: im 18. Jahrhundert eine homosexuelle Beziehung mehr oder weniger offen zu leben, ist wohl eher ungewöhnlich.
Denke ich an englische Landschaftsarchitektur in Sachsen fällt mir spontan immer nur Fürst Pückler mit seinem beeindruckenden Park in Bad Muskau ein. Im übrigen mittlerweile ein wunderbares europäisches Projekt, denn ein Teil des Parks liegt auf deutscher, der andere auf polnischer Seite.
Ja, und es handelt sich bei diesen Parks wirklich um Architektur, denn auch wenn der Ursprungsgedanke war, die formellen Zwänge barocker Gärten zu überwinden und der Natur selbst wieder mehr Raum zu geben, waren die Anlagen natürlich trotzdem sehr detailliert geplant mit Sichtachsen, Überraschungsmomenten und sogar optischem Täuschungen.
Ich fürchte in Oberbayern fehlten einfach die dazugehörigen „Herrenhäuser“, wobei der Englische Garten in München - der Name sagt es - , auch aus dieser Idee heraus entstanden ist. Herzliche Grüße an Sie!

Merchan Agaricus

Gabriele Jung, in der Tat ist der Englische Garten wohl ein Teil Landschaftsarchitektur. Ein Ereignis für sich, das baden im Eisbach, manche Surfen darin, weil er an einer Stelle eine Welle macht. Der Besuch des Biergartens am Chinesischen Turm oder der Moneroptorus sind Elemente der Kultur in einem relativ naturbelassenen, wenn auch konzeptionierten Habitat.

Ansonsten haben die Königsschlösser noch ihre Gärten.


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