Dr. Rebekka Reinhard: Experiment USA

Rebekka Reinhard • 9 Januar 2021
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Dr. Rebekka Reinhard / Foto: www.rebekkareinhard.de

Experiment USA

von: Dr. Rebekka Reinhard


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Dr. Rebekka Reinhard
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Patriotismus, Todesstrafe, Jazz, Google, Facebook, Trump, NSA: All das ist Amerika. Wie soll man ein Land auf den Begriff bringen, in dem es nichts gibt, was es nicht gibt? Ein Land, das lächerliche Cowboyfilme und obszöne Fernsehprediger hervorbringt –  aber auch elektronische Geräte, die auf der ganzen Welt wie Götzen verehrt werden. Wir Europäer (von den Amerikanern gern als Waschlappen oder „sissies“ betrachtet) neigen dazu, die (neo-)imperialistischen Tendenzen dieser Nation, die auf der Überzeugung von der eigenen Einzigartigkeit gegründet wurde, reflexartig zu verurteilen. Phänomene wie die „Alt-Right“-Bewegung oder die Liebe des Durchschnittsamerikaners zu seiner Schusswaffe veranlassen uns zu heftigem Kopfschütteln. Wir hegen Zweifel, ob Amerika „auf der Weltbühne immer führen“ wird, wie Ex-Präsident Barack Obama behauptet hat. Andererseits bewundern wir die Innovationskraft und Produktivität des “land of opportunity“, das mit Glück und Erfolg als allzeit realisierbaren Größen lockt. Warum ist das so? Wenn wir die Mentalität der Vereinigten Staaten in ihren Widersprüchen und Kontinuitäten begreifen wollen, reicht das Wissen, das wir aus den Medien und US-amerikanischen TV-Serien beziehen, nicht aus. Wir müssen auch ihre ideellen und ideologischen Grundlagen kennen. 

Der philosophische Pragmatismus und die amerikanische Zivilreligion sind zwei unterschiedliche Formen kultureller Selbstvergewisserung und Identitätsstiftung, die für das Verständnis der USA heute von zentraler Bedeutung sind. Wie „pragmatisch“ – oder wie „religiös“ – sind die Amerikaner wirklich? In welcher Realität lebt dieses Volk, welchem Wahrheitsbegriff folgt es?
 
Amerika ist wesentlich eine „two-part culture“ (H. S. Thayer), die sich im 17. Jahrhundert aus zwei unterschiedlichen Faktoren heraus entwickelte: Erstens den vorwärtsgewandten praktischen Erfordernissen, die die Erschließung der Neuen Welt mit sich brachte; vom Überlebenskampf der puritanischen Pilgerväter in der amerikanischen Wildnis über die ersten Städte- und Staatsgründungen bis hin zum Unabhängigkeitskrieg. Und zweitens dem rückwärtsgewandten intellektuellen Erbe, das die ersten Siedler aus England und Frankreich importierten, ihren aufklärerischen und religiösen Überzeugungen als ideelle Grundlage nicht nur der wirtschaftlichen und politischen Organisation der frühesten Kolonien, sondern auch der späteren Unabhängigkeitserklärung und der amerikanischen Verfassung.

Nach dem Bürgerkrieg (1861 – 1865) wird Amerika das erste Produktionsland der Welt. Die rasante industrielle und ökonomische Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedingt, dass sich die beiden Faktoren der amerikanischen Kultur als zunehmend unvereinbar, ja widersprüchlich erweisen. Der typische amerikanische Bürger ist gläubig und gedenkt respektvoll seiner Vorfahren – vor allem aber will es wirtschaftlich „zu etwas bringen“. Dem ideellen Erbe von Puritanismus, Protestantismus und europäischer Aufklärung wird kurzerhand eine Business Ethik aufgepfropft, bei der sich alles darum dreht, wie man schnell viel Geld verdient (und es schnell wieder ausgibt). Das Ergebnis ist eine Doppelmoral, die die USA bis heute charakterisiert: Materialismus und Frömmigkeit; „law and order“, aber Misstrauen gegenüber dem Staat; Gleichheit, aber mehr noch Freiheit. 
 
In diesem Klima entsteht der philosophische Pragmatismus (von griechisch pragma für Tat, Handlung, Geschäft)  als eine Denkhaltung, die die Kluft zwischen den beiden Elementen der „two-part culture“ zu schließen verspricht; als Methode, aber auch als kulturkritisches Projekt, das Tatsachen und Werte, Realität und Idealität, Vergangenheit und Zukunft der „Americanness“ zu synthetisieren und integrieren verspricht.

Charles Sanders Peirce (1839 – 1914), William James (1842 – 1910) und John Dewey (1859 – 1952) bilden mit ihren teilweise völlig unterschiedlichen Theorien das Dreigestirn des klassischen Pragmatismus. Was sie eint, ist die Abkehr von der intellektualistischen Tradition Platons, Descartes‘ und Kants. Aus Sicht von Peirce, James und Dewey ist die Rationalität einer Überzeugung nicht abhängig von einer theoretischen Begründung, sondern davon, welche Rolle diese Überzeugung im Leben vernünftiger Subjekte spielt. Alle drei sehen Denken und Handeln in einem untrennbaren Zusammenhang. Inspiriert vom darwinistischen Evolutionismus, setzen die Pragmatisten statt auf starre Prinzipien und festgefügte Systeme auf Wandel, Wachstum, Prozess. Ihr Herz schlägt für das Mögliche, nicht das Bewährte; für Freiheit, nicht Notwendigkeit.

Der Ausgangspunkt ihrer Philosophie ist eine Welt, die sich stetig entwickelt, ohne auf ein vorherbestimmtes Ziel hinzusteuern, eine Realität, in der alles Leben kontingent, zufällig ist. Wie kann man sich in solch einer Umgebung orientieren? Die Antwort des Logikers Peirce ist seine berühmte „pragmatische Maxime“, ein methodologisches Prinzip, das Klarheit in unsere Vorstellungen bringen soll: „Erwäge, welche Wirkungen, die eine denkbare praktische Tragweite haben, wir unserem Objekt beilegen. Dann ist unser Begriff dieser Wirkungen die Gesamtheit unseres Begriffs vom Gegenstand“. Mit anderen Worten: Der Bedeutung etwa eines „harten“ Gegenstands kommt man nicht durch methodisches Zweifeln näher, sondern indem man es mit dem Messer bearbeitet und feststellt, dass seine Oberfläche unbeschädigt bleibt. 

Das, was wir denken, muss in Hinsicht auf das interpretiert werden, was wir tun, meint Peirce. Seine Auffassung von Bedeutung ist die eines Forschers, der ein Experiment startet, weil er erwartet, dass es ihm eine bestimmte praktische Erfahrung bescheren wird. Wer „Lithium“ definieren will, kann die Atommasse des Elements angeben – die „tauglichere“ Definition aber besteht in bestimmten Regeln oder Handlungsvorschriften, die angeben, was mit dem so benannten Objekt zu tun sei, um sich mit seiner Farbe, seinem Aggregatszustand in sinnlicher Weise vertraut zu machen. Damit ist der Prozess der Bedeutungsfindung allerdings noch lange nicht erledigt: „(D)enn das Ziel des Gedankens ist eine Handlung nur insofern, als das Ziel der Handlung ein weiterer Gedanke ist“, heißt es in Peirces Aufsatz The Fixation of Belief. 

Was „Wahrheit“ und „Realität“ letztendlich beinhalten, darüber hat die kritische Gemeinschaft der Forschenden zu entscheiden: Einen Konsens über beide Begriffe kann es erst geben, wenn die Forschung zu einem idealen Abschluss gekommen ist (also immer erst in Zukunft). Trotzdem ist uns ein Ausschnitt von Wahrheit und Wirklichkeit stets hier und jetzt zugänglich – genauso, wie uns ein Teil der Wirklichkeit unseres Kühlschranks hier und jetzt zugänglich ist, wenn wir einen Blick auf sein Inneres werfen, um nach einer halben Sekunde herauszufinden, dass eine der in ihm befindlichen Flaschen Bier enthält. Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, müssen wir die Erforschung des Kühlschranks nicht endlos fortführen.

Wenn sich unsere Ideen und Begriffe von den Dingen stets nach den „praktischen Konsequenzen“ richten, die diese Dinge haben werden, ist die Zukunft in der Gegenwart auch schon enthalten, ist das ideale Ergebnis dem realen Fortschritt schon eingeschrieben. Diese „metaphysische Implikation“ (John Dewey) des Pragmatismus geht Hand in Hand mit seiner fallibilistischen Einstellung, dass die vorläufig gewonnene Wahrheit nie absolut, sondern relativ, kontextabhängig und revidierbar ist; dass es nicht nur eine, sondern viele Wahrheiten und Werte gibt – logische, moralische, politische, religiöse. 

Für William James ist Wahrheit dementsprechend etwas, das einer Idee „passiert“. Was die Realität ist, kann man nicht ein für alle Mal beantworten – denn es gibt eine Vielzahl menschlicher Erkenntnisarten, so wie es ja auch eine Vielzahl menschlicher Fähigkeiten und Interessen gibt. Der Jamessche Pluralismus betont die kreative und konstruktive Leistung jedes Erkennenden, seiner Ideen wie seiner Sinneswahrnehmungen im Umgang mit der Welt. „(D)er Marmorblock wird uns vorgegeben, aber die Statue meißeln wir selbst“, heißt es in James‘ Pragmatismus-Schrift. Ein Begriff, ein Satz oder ein Theorem taugt nur solange, die Wahrheit zu beschreiben, wie es dazu geeignet ist, die Realität gemäß unserer Ziele zu verändern: „Theorien werden somit zu Instrumenten, nicht zu Antworten auf Rätsel, auf denen wir uns ausruhen können. Wir lehnen uns nicht an sie an, wir bewegen uns vorwärts und erschaffen manchmal mit ihrer Hilfe die Natur von neuem.“

John Deweys Erkenntnismethode ist die „inquiry“, die Untersuchung, das Experiment. Am Anfang steht eine unbestimmte, zweifelhafte Situation - ein Problem. Um dieses Problem zu lösen, müssen wir damit experimentieren, also in die Welt eingreifen. Erst durch praktisches Handeln gewinnen wir Gewissheiit. Ideen sind wertlos, wenn sie die Welt nicht verändern. Probleme lösen, Dinge ausprobieren, mit Neuem experimentieren: Das ist auch der Kern des amerikanischen Innovationsgeists und Unternehmertums - vom Erfinder Thomas Edison bis zum Silicon Valley. 

Gerade in Deutschland hat man dem Pragmatismus lange Zeit vorgeworfen, die Vernunft zum bloßen Mittel zu degradieren, zur ökonomischen Rationalität, die unsere Freiheit und das Menschsein überhaupt bedroht. So sah etwa Max Horkheimer, einer der Begründer der Frankfurter Schule, den Pragmatismus als „Pendant zum modernen Industrialismus, für den die Fabrik der Prototyp des menschlichen Daseins ist."

Doch das ist ein Missverständnis des Pragmatismus - und vielleicht auch einer von mehreren Gründen, warum wir uns mit Amerika oft so schwertun. Die Tatsache, dass durch die innovative Funktion des Denkens die Welt eine andere werden kann als die, die sie ist, bestätigt laut Dewey seine „humane und moralische Wichtigkeit“ – womit die Grenzen zwischen ethischen und erkenntnistheoretischen Fragen verschwimmen. Für Dewey besteht der Prüfstein der Wahrheit in ihren ethisch-politischen Folgen. Als aktiver Pädagoge versteht er Philosophie als ein kulturkritisches Instrument, um „die Vorstellungen der Menschen über die sozialen und moralischen Konflikte ihrer eigenen Tage zu klären“; um „Wachstum“ im Sinne eines demokratischen Erziehungsprozesses als einziges „moralisches Ziel“ zu ermöglichen, wie er in Die Erneuerung der Philosophie schreibt. „Moralische Güter und Ziele gibt es nur, wenn etwas getan werden muss“, so Dewey. „Die Tatsache, dass etwas getan werden muss, beweist, dass es Mängel, Übel in der bestehenden Situation gibt.“
 
Einer der gravierendsten „Mängel“ der heutigen amerikanischen Kultur könnte darin bestehen, dass sie die Bedeutung ihres pragmatistischen Erbes – und damit einen wesentlichen Teil ihrer Identität – nicht ernst genug nimmt.

Beispielhaft ist die oberflächliche bis unzutreffende Auslegung von Barack Obamas „Pragmatismus“ durch amerikanische Intellektuelle in der ersten Zeit seiner Präsidentschaft. „Mein Ziel für die nächsten vier Jahre ist es, dafür zu sorgen, jedes überzeugende Argument durch … Fakten zu untermauern und zu beweisen, dass sie funktionieren; dass wir die Leute um diese Art pragmatische Agenda herum zusammenhalten“, sagte Obama bei seiner ersten Pressekonferenz 2009. Akademiker wie der Harvard-Historiker James T. Kloppenberg oder der Literaturwissenschaftler Stanely Fish kommentierten diese und ähnliche Aussagen in den US-Medien entweder in Zusammenhang mit undogmatischer Sachlichkeit, anti-intellektuellem Zweckdenken, Opportunismus, Sich-Durchwursteln und Skeptizismus; oder aber mit Offenheit, flexiblem Problemlösungsverhalten und effektivem Handeln.

Keiner dieser Begriffe trägt dazu bei, pragmatisches Denken und Handeln zu erhellen. Was dann? Sollte sich Obama zum Beispiel darum bemüht haben, die Begriffe und Argumente seiner Politik an der amerikanischen Wirklichkeit zu erproben und gegebenenfalls zu revidieren, sollte er demokratische Vielfalt und konstruktiven Dissens fördern, sollte er gezeigt haben, dass er keinem starren Dogma, sondern dem Geist von Möglichkeit und Freiheit verpflichtet ist, dass er gleichermaßen auf Empirie und Ratio setzt, würde dies tatsächlich für eine pragmatische Haltung sprechen. Sollten die Konsequenzen dieser Haltung aber (noch) nicht konkret erfahrbar geworden sein, bleiben seine Worte bloße Absichtserklärungen.
     
Was die „bestehende Situation“ (Dewey) Amerikas und des „American Way of Life“ viel  mehr erhellt als der beliebige, unphilosophische Gebrauch des Wortes „Pragmatismus“, ist die Bedeutung der US-Zivilreligion, die sich seit den Gründung der Vereinigten Staaten als spirituelle Alternative zu den puritanischen, aufklärerischen und republikanischen Ideologien entwickelte und seit dem 19. Jahrhundert – wie der Pragmatismus, aber auf völlig andere Weise – fester Bestandteil der amerikanischen Identität ist.

Als ein Mittel kultureller Selbstvergewisserung fördert die Zivilreligion die Loyalität der Amerikaner zu den demokratischen Werten, wie sie in der Unabhängigkeitserklärung bzw. der Verfassung dokumentiert sind oder in der Symbolik der amerikanischen Flagge zum Ausdruck kommt, indem sie Motive jüdischer und christlicher Religion auf das amerikanische Volk und seine Repräsentanten überträgt – Land und Leute gleichsam vergöttlicht, wie der Soziologe Robert N. Bellah in seinem legendären Essay „Zivilreligion in Amerika“ (1967) erklärt. Gottes Willen auf Erden auszuführen, so Bellah, ist seit ihren Anfängen das Leitmotiv der amerikanischen Nation: Bis heute sehen die Amerikaner ihr Land gern als „Neues Jerusalem, vom Himmel gesandt“, als „God’s chosen nation“. Der amerikanische Präsident galt stets als eine Art amerikanischer Moses, der sein Volk von der Tyrannei fremder Mächte erlösen und ihr Freiheit bescheren soll. Der „Gott“, der in den Reden jedes US-Präsidenten auftaucht, ist jedoch mehr ein symbolischer als ein christlicher Gott. Das jeweilige Staatsoberhaupt benutzt das Wort, um das eigene Handeln zu legitimieren – ähnlich wie einst die Puritaner Neu Englands die Bibel benutzten, um ihren Gang in die Wildnis zu legitimieren.

Als selbstbezogenes Ritual kultureller Identitätsstiftung steht die amerikanische Zivilreligion seit jeher in untrennbarem Zusammenhang mit dem US-Patriotismus und dem universellen, quasi-transzendenten Wahrheits- und Geltungsanspruch amerikanischer Werte. Mit dieser zivilreligiös begründeten „New World Metaphysics“ (Walt Whitman) lässt sich auch Amerikas aktuell sichtbarste Paradoxie erklären: Fortschrittlichkeit auf technologischem Gebiet gepaart mit politischer Rückschrittlichkeit. Beide Tendenzen eint ihre ideologische Einseitigkeit. Die technologischen Innovationen, an sich Früchte des pragmatistischen Geistes, dienen dem Heilsversprechen eines als Freiheit getarnten Konsumismus. Der US-Politik fehlt eine zukunftsfähige Alternative zur antiquierten Doktrin der „Manifest Destiny“, des vorgeblich göttlichen Auftrags zur geographischen, wirtschaftlichen und kulturellen Expansion. 

Beide Trends stehen für ein kulturelles Bewusstsein, das in bewährten, wiedererkennbaren Symbolen, Marken, Labels (von „Stars and Stripes“ bis hin zu „Apple“) verankert ist – in beiden äußert sich ein Verlust vorwärtsgewandter gelebter Realität, der sich nicht erst seit heute bemerkbar macht. Schon Mitte der 1980er Jahre schrieb der amerikanische Kulturkritiker Christopher Lasch über die zunehmende Unfähigkeit seiner Landsleute, einer anderen Realität und Zukunft jenseits der symbolisch konstruierten Ausdruck zu verleihen: „(Wir leben jetzt in) einer merkwürdig unwirklichen Welt, einer Welt aus Bildern und Abstraktionen, in der organisiertes Expertentum praktischen Sachverstand ersetzt hat, und wo Bilder von Dingen lebendiger sind als die Dinge selbst.“

Als Ausweg aus dieser kulturellen Sackgasse wäre den Amerikanern eine angemessene Neubewertung ihrer eigenen pragmatistischen Tradition zu empfehlen. Diese könnte der Mystifikation dessen, was die amerikanische Realität sein sollte, entgegenwirken, und dabei helfen, neue Bedeutungen und Handlungsalternativen für ein Land zu entwickeln, das ansonsten riskiert, selbst zu einem Symbol (und somit zu Unfreiheit und Unwahrhaftigkeit) zu erstarren; sie könnte das wiederbeleben, was die Welt an der amerikanischen Kultur bis heute so fasziniert: den Mut zur kontinuierlichen Erneuerung, Entwicklung und kreativen Umwandlung des Alten. Für John Dewey war Demokratie „das beste Mittel, das wir bisher gefunden haben“, um die menschlichen Beziehungen zu fördern – eine Regierungsform, die „das Leben und die Erfahrung in all ihrer Unsicherheit akzeptiert“.

Nach den historischen Präsidentschaftswahlen 2020 gilt erst recht: Wenn Amerika ein großes kulturelles Experiment darstellt, dann wird die pragmatische Geisteshaltung mehr als alles andere dazu beitragen, dieses Experiment zu einem glücklichen Ende zu bringen – einem Ende, das nichts anderes als ein Anfang ist.  

Dr. Rebekka Reinhard

Dieser Artikel erschien zuletzt in "HOHE LUFT kompakt 1/ 2021 „Metanoia 2.0 - Ideen für die neue Normalität“


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Über die Autorin

Dr. Rebekka Reinhard ist freie Philosophin, stv. Chefredakteurin der Zeitschrift HOHE LUFT und Buchautorin. Zuletzt veröffentlichte sie „Wach denken: Für einen zeitgemäßen Vernunftgebrauch“ (edition körber, 2020). Für die wbg hostet sie den Sachbuch-Podcast „Was sagen Sie dazu?“. „Experiment USA“ ist in HOHE LUFT kompakt 1/ 2021 „Metanoia 2.0 - Ideen für die neue Normalität“ erschienen. 

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Kommentare (1)

Helmut Essl

Das Kumulierende ist der Tod des Luziden, sprich: der Kernbotschaft. Man quält sich stellenweise durch den Text und fragt sich: Quo vadis R. R.? Wenn man von München nach Darmstadt fährt, fährt man doch nicht über Colmar!

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