Edgar Selge, Hast Du uns endlich gefunden

Gabriele Jung • 13 November 2021
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Zum lebendigen Menschsein gehört das Erinnern: um ein Gefühl für sich zu bekommen, wer man ist, wie man ist, was einem wichtig ist. Auch wenn es sich bei Edgar Selges Buch vordergründig um die Erzählung einer Kindheit in den späten 50er Jahre handelt, in dem ein eindrucksvolles Bild familiären Lebens in den Jahren nach dem Krieg und der NS Diktatur gezeichnet wird, geht es in dem Roman für mich um etwas viel Tieferes. Es geht um die Frage, welche Rolle das Elternhaus bei der Ausprägung der eigenen Persönlichkeit spielt. Und das Spannende ist: wesentliche Charakterzüge sind von Anfang an da und lassen sich nicht „wegerziehen“. Das Elternhaus, die Geschwister sind quasi nur eine Art erste Bühne, auf der man spielt und sich erprobt Und dennoch prägt diese erste „Spielerfahrung“, hinterlässt Spuren - manchmal mehr als es einem lieb ist. Der Kniff, die Geschichte aus der Perspektive des Kindes Edgar zu erzählen und dieses Kind als das zu präsentieren, was es ist, nämlich ein eigenständiger Mensch, dem man auf Augenhöhe zu begegnen hat, macht das Buch noch lesenswerter. 

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