Eric H. Cline - 1177 v. Chr.

Lara Hitzmann • 25 Januar 2022
2 Kommentare
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Eric H. Cline

1177 v. Chr. Der erste Untergang der Zivilisation. Wie eine vernetzte Welt in das dunkle Zeitalter stürzte


Der amerikanische Professor für Klassische Altertumswissenschaften Eric H. Cline zeichnet in seinem aktuellen Buch »1177 v. Chr.« das Ende der Bronzezeit in der Ägäis und dem östlichen Mittelmeerraum aus verschiedenen Perspektiven auf. Mykene, Milet, das Hethiterreich und die mesopotamischen Königreiche verschwanden um 1177 v. Chr. langsam von der Bildfläche. 


Cline behandelt übergreifend eine Epoche, die aufgrund der Aufteilung der Altertumswissenschaften in die verschiedenen Disziplinen wie der Altorientalistik, der Ägyptologie, der Vorderasiatischen und Klassischen Archäologie sowie der Alte Geschichte immer wieder unter den Tisch fällt. Daher eignet sich dieses Buch für all diejenigen, die sich immer gefragt haben, wie diese Kulturen kulturell und wirtschaftlich vernetzt waren und was schließlich zum Untergang einiger und zum Fortbestand anderer führte. Auf knapp 250 Seiten stellt Cline übersichtlich und leicht verständlich dar, was um 1177 v. Chr. geschah: 
Im Zentrum des Buches steht die Frage, weshalb zeitgleich verschiedene Zentren und Kulturen so stark zurückgegangen sind. Die Vermutung liegt gleich am Anfang des Buches nahe, dass die ominösen Seevölker, die gern für Katastrophen im Mittelmeerraum verantwortlich gemacht werden, diesen verursacht haben.. 
Umso überraschender es, dass Cline relativ schnell klarstellt: Die herumziehenden und plündernden Seevölker waren keinesfalls der alleinige Faktor des Untergangs der ersten Zivilisation. Zu diesem Zweck beschreibt der Autor die Entwicklung der einzelnen Kulturräume in verschiedenen Jahrhunderten nacheinander und legt zuletzt die umwelttechnischen und geografischen Bedingungen dar.


Generell besticht Clines Darstellung durch viele Bilder und antike Quellen, einen transparenten Umgang mit der Forschungsliteratur und vielen kleinen Fun Facts.
Haben Sie gewusst, dass bereits um 1470 v. Chr. die mesopotamischen Könige ihren Saft im Sommer gern mit etwas Crush Ice genossen? 


Das Buch eignet sich nicht nur für altertumswissenschaftlich geschulte Leser:innen. Cline holt sein Publikum dort ab, wo es steht. Ich selbst hatte mich vor dieser Lektüre weder mit Mesopotamien noch mit dem Hethiterreich beschäftigt.


Abgerundet wird das Buch durch den erfrischend humoristischen Schreibstil Clines  – ein Blick ins Buch ist schon allein deswegen zu empfehlen. 

 


Cover
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Eric H. Cline

1177 v. Chr.

Der erste Untergang der Zivilisation

Wie alles zusammenhängt: Aufstieg und Untergang antiker Hochkulturen

Im Jahr 1177 v. Chr. stehen die ersten großen Zivilisationen unserer Menschheit vor dem Ende. Marodierende Seevölker bedrohen Ägypten unter König Ramses III. Wie Dominosteine fallen Mykene, Troja und Milet nach Jahrhunderten des Aufstiegs. Doch was hat wirklich den Kollaps von Kulturen herbeigeführt, die über 2000 Jahre lang ihre Macht und Robustheit bewiesen hatten? Worin lagen die Stärken und die Schwächen eines für damalige Verhältnisse hochgradig vernetzten Wirtschaftsraums?

  • Faszinierender Einblick in die Geschichte des 15. bis 12. Jahrhunderts v. Chr.
  • Ein komplexes System: Aufstieg und Fall einer kosmopolitischen Welt
  • Das Ende der Bronzezeit im Mittelmeer-Raum
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Damals, vor mehr als 3000 Jahren: Krisen in einer globalisierten Welt

In seinem internationalen Bestseller erzählt der renommierte Archäologe und Kulturanthropologe Eric H. Cline die Hintergründe eines wichtigen Wendepunkts der Geschichte. Kriege und Flüchtlinge, Klimawandel und Naturkatastrophen, Wirtschaftskollaps und Hungersnöte - die Zusammenhänge zwischen den historischen Ereignissen, die er aufzeigt, erinnern durchaus an die aktuelle Nachrichtenlage. Doch erst die katastrophale Summe all dieser Krisen stürzte die ersten großen Zivilisationen für Jahrhunderte in die Dunkelheit. Folgen Sie Eric H. Cline in eines der spannendsten Kapitel der Menschheitsgeschichte!


Autor

Eric H. Cline

Eric H. Cline war mit „1177 v. Chr.“ bereits für den Pulitzer-Preis vorgeschlagen und hat mit seinem Werk den ersten Preis der American School of Oriental Research gewonnen. Cline ist Professor für Klassische Altertumswissenschaft und Anthropologie und Direktor des Archäologischen Instituts an der George Washington Universität.

Kommentare (2)

Marcin Lupa

Immer wieder lese ich über die Anfänge der Zivilisation. Nur noch nie habe ich eine Begründung für den Untergang der Anfangskulturen gebündelt dargestellt, gelesen.
Sicherlich eine lohnenswerte Anschaffung.

Lara Hitzmann

So wie Ihnen erging es mir auch, lieber Herr Lupa. Das Buch ist nicht nur von der Thematik her interessant, sondern auch für ein Sachbuch ganz witzig geschrieben.
Bei Betrachtung der älteren Forschungsliteratur (Herr Rosenboom wird mir sicher zustimmen) fällt immer wieder auf, dass die umwelttechnischen Umstände völlig außer Acht gelassen werden. (Ob diesen nun als Trend der Zeit eine höhere Bedeutung zukommt, als notwendig, werden spätere Untersuchungen zeigen.)


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