Freinde

Gwendolin Simper • 10 Mai 2022
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Freinde

Ich kenne jemanden, der erzählte mir folgende Geschichte:

Mir sind die Menschen fremd geworden.
Die Menschen, das ist eine wilde und unvorhersehbare Masse an Leuten. Viele wollen erst mal dein Freund sein, über die Zeit vergessen sie es und schon kann es sein, dass sie dein Feind geworden, im nächsten Moment jedoch wieder freund sind.

Nicht fremd ist mir mein nächstes Umfeld, eine Hand voll von Menschen, die meist vorhersehbar sind. Aber im Großen und Ganzen sind Menschen mir doch fremd. So fremd, dass ich nichts mit ihnen zu tun haben möchte.

Wie kann es passieren, dass solche Gefühle entstehen? So eine Abneigung gegenüber den anderen? Denn nichts anderes sind sie doch, ein Gegenüber, ein Mitmensch.

Es irritiert mich, wie sie sich benehmen. Ihr Verhalten stößt mich zurück. Ich kann ihnen nicht mehr blind vertrauen, den Menschen. Sind sie deshalb mein Feind? Nein, mein Feind werden sie erst, wenn sie aus der Masse heraustreten, meine Grenzen verletzen.
Nur um sich gleich wieder als Freund zu präsentieren? Was soll das?

Was sind überhaupt meine Grenzen? Und warum kann ich sie nicht ausreichend schützen? Weil die entpuppten Feinde im nächsten Moment wieder das Gegenteil tun, bin ich nicht in der Lage ihnen meine Grenzen aufzuzeigen. Ich halte die Ambivalenz dieser Menschen kaum aus. Was sind sie nun? Freund oder Feind?

Meine echten Freunde lassen sich leicht abzählen. Meine Feinde wahrscheinlich auch, wenn ich überhaupt welche habe. Aber diese Freinde, die nicht in der Anonymität der Masse zwischen Feind und Freund verschwinden, die machen mir Probleme.
Sie sorgen dafür, dass ich allen zunächst misstraue, die nicht als Freund bewiesen sind. Ich bin freundlich, ich lächle sie an, aber ich bin auf der Hut.

Ich gehe nicht von alleine unter Leute. Mir sind die Menschen fremd geworden. Ich will nichts von ihnen, außer in Ruhe gelassen zu werden. Aber das Leben zwingt dich zu Interaktionen, so hoffe ich, dass sie möglichst glatt ablaufen.

Ich beobachte die Menschen, um sie zu verstehen. Und manchmal werden Fremde doch zu Freunden. Wenn ich sie besser begreife und sie mich auch ein wenig verstehen. Ich lechze danach, verstanden zu werden. Ich sehne mich nach Anerkennung und danach, gut genug zu sein. Ich sehne mich nach Freunden.
Und gleichzeitig schiebe ich sie von mir weg, die Menschen. Ich habe Angst vor Freinden. Ich habe Angst vor ihrem unvorhersehbaren Verhalten. Und darunter leidet alles. Gebranntes Kind. Verbrannte Finger.

Nein, sie sind mir fremd und bleiben fremd, die Menschen. Dank der Freinde.

Kommentare (30)

Marcin Lupa

Ich kenne dieses Gefühl auf unbestimmbare Menschen zu stoßen, die im Grunde nicht genug Aufmerksamkeit bekommen, um sich für irgendeine Einstufung zu eignen. Weder Freunde, noch Feinde, noch Freinde. Sie sind einfach nur Bekannte, die in der Anonymität der Masse, die von Ihnen angesprochene ambivalente Haltung einnehmen. Und vieles an ihrem Verhalten ist mehrdeutig.

Am liebsten halte auch ich mir die Menschen auf Distanz. Immer wieder aber entzündet sich der Funke Hoffnung, dass die Kontakte mehr Tiefe und auch Freundlichkeit entwickeln. So trifft man unterwegs den einen oder anderen Menschen, der zum Freunde wird. Das meistens nicht auf Dauer. Einige nur bleiben erhalten, die meisten ziehen von dannen, verlieren sich auf ihren wirren Wegen.

Ob man tatsächlich auch Feinde hat? - Schwer zu sagen. Einige Leute verhalten sich definitiv feindlich. So lange ihnen beizukommen ist, können Sie nicht zu Feinden werden, da sie eben jene Bedeutung nicht bekommen. Ihnen fehlt die Schwere und der Einfluß der wahren Feindschaft.

Sowohl wahre Freundschaft als auch unmittelbare Feindschaft haben etwas endgültiges. Eine bedeutungsschwere Dimension.

Gwendolin Simper

Ich möchte noch noch bedanken für Ihre Gedanken zu meinem Text. Genau, ich unterscheide zwischen Freuden, Feinden, der Masse dazwischen und dann den Freinden. Letzteres empfindet hoffentlich nicht jeder so. Es sind vor allem Leute gemeint, die vorgeben Freunde zu sein, die aber meist nur ihre eigenen Interessen im Blick haben.
Viele Grüße

Gwendolin Simper

Vielen Dank für den Tipp, das werde ich mir ansehen. Es klingt fast nach zu viel Spannung in den Beziehungen. Wie liest es sich denn?

Marcin Lupa

Es ist eine Dreiecksgeschichte mit Migrationshintergrund. Mehr will ich nicht Spoilern, lieber Gwendolin Simper. Aber Sie haben Recht, es ist diese Art von Spannung und wenn uns die Vergangenheit wieder einholt. Eine positive Bearbeitung dieser Thematik liefert der überaus charmante Film mit Colin Firth in der Hauptrolle "Hope Springs". Absolut sehenswert.

Andrea Hack

Ich mache mir in letzter Zeit Gedanken ob wir wirklich ehrlich gute Freunde sein können, wir sind ja eigentlich auch Säugetiere und sind wir nicht oft Konkurrenten um essen, Partner etc. Steckt uns das in den Genen ? Ist es nicht letztendlich ein Kampf gegen unsere urinstinkte ?
Fressen und gefressen werden ?
Was sollen wir denn sonst verstehen wenn man das Weltgeschehen beobachtet
Wenn wir uns nicht von dem alten befreien das auch unsere Geschichte ist und in unseren Genen steckt frage ich mich wann wir wirklich einen humanen Umgang leisten können .
Wir befinden uns im Zeitalter des Anthropozän, ich habe gelesen darunter versteht man die gegenseitige vernichtung .
Ich glaube da gibt es viel zu lernen
Sicher gibt es Freunde , aber ja wem man wirklich trauen kann das ist gut anzuschauen

Marcin Lupa

Da sprechen Sie sehr wichtige Dinge an. Wenn uns Konkurrenzverhalten in den Genen steckt, so auch ein Gefühl/Instinkt für Kooperationen.
Ob man dieses nun universell auf die gesamte Menschheit ausdehnen kann, ist zweifelhaft.
Unsere Verschiedenheit wird uns da zum Verhängnis, wo Gerechtigkeitsempfinden und Toleranz versagen.
Wenn es einen genkodierten Instinkt zur Zusammenarbeit gibt, so sind diesem stets auch Dummheit, Faulheit und Egozentrik im Weg.

Interessantes Thema.

Andrea Hack

Wahrlich , gerade in letzter Zeit fühle ich dass andere Völker ein anderes Empfinden zum Thema Familie, Freunde haben. Was ja wiederum für verschiedene Genmasse spricht. Ein guter Freund sagt immer schmeckt oder schmeckt nicht auch in Bezug auf Freundschaft. Am Anfang habe ich darüber gelacht , jetzt denke ich oft Freund oder Feind ,ist gut in Solchen Kategorien zu sehen, schmeckt oder schmeckt nicht oder für mich läuft das oft in Farben ab , die inneren Farben oder die die ein Mensch für mich ist, wenn die mit meinen harmonieren läufts .
Blau, grün , Rot, Gold so in etwa

Gwendolin Simper

Aber sind diese von Ihnen gefühlten Unterschiede denn wirklich genetisch, oder vielmehr eine Prägung durch die Umgebung, die ab frühester Kindheit an passiert?

Ein Denken in Kategorien ist einfacher, natürlich zieht es uns immer dorthin. Aber selten sind die Dinge wirklich schwarz-weiß, eindeutig. Oder nicht?

Viele Grüße

Andrea Hack

Ich glaube es ist eine Mischung , ich meine Gene und erlebte Erfahrungen, wieviel davon etwas ausmacht kann ich mir nicht vorstellen aber ob wir wirklich gute Freunde sein können hat sich für mich aufgrund eigener Erfahrungen in Frage gestellt .
Wie wichtig sind die eigenen Sicherheiten , bzw. Vielleicht auch aberzogenen Bedürfnissenen im Verhältnissen zu den Bedürfnissen des anderen . Wenn die sich auseinander entwickeln gehen wir getrennte Wege. Kann man jemanden nicht trotz Änderungen als Freund behalten auch wenn dieser sich aufgrund Krankheit oder ähnliches verändert hat ?
Das klappt selten .
Ich glaube auf eine Weise sind wir sehr rationelle Wesen die nach leben/ überleben entscheiden
Und doch denke ich auch dass dazu vielleicht genetisch unterschiede länderspezifisch bestehen können .

Gwendolin Simper

Freunde kommen und gehen, einige wenige bleiben. Solange sie einfach in der Masse zwischen Freund und Feind untergehen, ist das in Ordnung für mich. Auch, wenn es traurig ist, Freunde auf Grund von äußeren Umständen zu verlieren.

Marcin Lupa

Gwendolin Simper, Freunde nennen wir die Leute, die wir für eine andere Bezeichnung oft nicht genügend kennen.
Wenn Freunde dauerhaft gehen, sollten wir uns allen Ernstes fragen, ob sie jemals welche waren. Stattdessen nenne ich sie Lebensabschnittbegleiter und weine ihnen keine Tränen nach.

Gwendolin Simper

So, jetzt habe ich Zeit zu antworten.

Kann man nicht Freunde haben und sich dann auseinander leben? Ich weiß nicht, ob tiefgreifende Unterschiede in der Gegenwart alle Gemeinsamkeiten in der Vergangenheit annullieren können. Intuitiv wurde ich sagen, dass sie dann in der Vergangenheit trotzdem Freunde waren.
In schwierigen Lebensphasen zieht man sich häufig zurück, beendet man damit die Freundschaften oder sind sie nur in der Schwebe?

Marcin Lupa

Da haben Sie auch wieder Recht, Herr Gwendolin Simper. Es ist in der Tat so, dass viel gemeinsam verbrachte Zeit mit diesen Menschen, die einst Freunde gewesen sind, sehr schön und auch sinnvoll gewesen ist.
Und am ehesten beschreibt es der Begriff, den Sie verwenden, nämlich der des Auseinanderlebens.

Aber es gibt wohl auch eine zweite Natur ehemaliger Verbindungen, die von Anfang an mehr auf Täuschung beruhten und nie Freundschaften gewesen sind. Solche Verbindungen erleben viele Menschen - unter anderem habe ich selbst auch solche Verbindungen erlebt. Dennoch trifft die Schuld nicht nur den Täuschenden, sondern auch denjenigen der sich täuschen ließ. Eben weil er so leichtgläubig gewesen ist. Und diese meine Naivität muss ich in Bezug auf die "schweren Schicksale" einräumen.

Ansonsten gibt es, wie sie eigens hervorheben jede Menge gesunde Verbindungen, die ihre Berechtigung und Zeit gehabt haben und dann einfach an Intensität abnahmen, sei es dass man beispielsweise geheiratet hat und Kinder bekam oder sich beruflich entwickelte. Es gibt zahlreiche positive Gründe, für das Ende von Freundschaften, die in ihrer Zeit auch tatsächlich welche gewesen sind. Absolut.

Michael Pfeiffer

"Die Menschen" gibt es nicht, aus meiner Sicht der Dinge. Es gibt Individuen, jedes einzig und einzigartig. Die Bereitschaft, Menschen als amorphe Masse zu betrachten, halte ich für problematisch. Mir scheint es wichtiger, die Schattierungen zwischen Freund und Feind in jedem auszuloten, der mir begegnet.

Gwendolin Simper

Vielen Dank für den Input. Das stimmt, "die Menschen" sind eine Verallgemeinerung, auch aus meiner Sicht. Die Stimme meiner erzählenden Person ist auch nur die einer einzelnen Person.
Manchmal ist es jedoch zu hart, immer wieder von vermeintlichen Freunden enttäuscht zu werden - von solchen Leuten, die ich als Freinde betitelt habe. Und dann scheint es einfacher, ja gesünder, lebenspraktischer, wenn man verallgemeinert. Das gilt selbstverständlich nicht immer und nicht für alle. Aber wie geht man sonst mit solchen Mitmenschen um? Gerade, wenn man nicht über die Ressourcen verfügt, die man benötigen würde? Man zieht sich zurück, man beginnt "den Menschen" zu misstrauen. Als Notlösung.

Michael Pfeiffer

Danke für die freundliche Antwort. Deine Stimme ist die einer einzelnen Person und darum wertvoll. Meiner Stimme geht es nicht anders. Ist das Singen im Chor eine Verallgemeinerung? Ich versuche meinesgleichen forschend zu begegnen: neugierig und auf der Hut.

Marcin Lupa

Eine Notlösung mag es sein, Menschen zu kategorisieren. Falsch ist es dennoch nicht.
Wer hat schon die Ausdauer einen Werdegang zu betrachten? Wer kann es sich leisten? - gut, wenn man den Anspruch hat. Ihm dauerhaft gerecht zu werden, gelingt uns allerdings nicht immer.

Michael Pfeiffer

Ich sehe in der Kategorisierung von Menschen ein hohes Risiko. Wie schnell wird der Mann mit Vollbart als Terrorist, die Frau mit Kopftuch als islamistisches Opfer, Menschen mit ostasiatischer Anmutung als Pandemiebringer und Menschen mit russischem Akzent als Kriegstreiber "eingeordnet".
Die Kategorisierung von Menschen läuft zudem Gefahr, diese in ihrer selbstbestimmten Identität zu verletzen.
Deshalb würde ich die Kategorisierung von Menschen als falsch bezeichnen. Angesichts unserer menschlichen Schwäche mag sie entschuldbar sein, aber richtig kann ich sie nicht finden.

Marcin Lupa

Michael Pfeiffer Für einen selbst ist sie immer richtig und hilft uns die Welt zu interpretieren. Je mehr wir über die Person erfahren, die wir in unsere Denkmuster zwingen, desto mehr nähert sich die Kategorisierung der objektiven Wahrheit. Völlig einerlei, ob sie die vollkommene Objektivität je erreicht.
Ohne sie kämen wir in unserem Denken keinen Meter vorwärts, was nicht bedeutet, dass sie ohne Dialektik von statten geht.

Ich charakterisiere meine Mitmenschen immer, schreibe ihnen Eigenschaften zu, versuche sie zu verstehen und zu erfassen. Dabei Kategorien zu vergeben, Menschen nach Verhalten und Charakter einzuordnen, ist eine natürliche Begebenheit.

Gwendolin Simper

Michael Pfeiffer Die Kategoriesierung von Menschen birgt tatsächlich immer eine sehr große Gefahr. Dennoch denke ich, dass unsere Gehirne so funktionieren. Es würde viel zu viel Energie kosten, wenn man immer alles neu bewerten müsste. Es ist natürlich unsere Aufgabe, aufzupassen, dass diese Generalisierungen kein Übermaß annehmen. Und mir ist auch klar, dass wir dem Gegenüber damit nicht gerecht werden. Trotzdem ist an sich nichts schlechtes an Kategorisierung, sie sind ein nötiges Hilfsmittel, um durchs Leben zu gehen. Sie sind auch eine Fähigkeit. Nur sollten wir uns immer dessen bewusst sein.

Andrea Hack

Ich frage mich ob das Thema ist ob Freund oder Feind , ein echtes zuhören ist , dem anderen unvoreingenommen etwas von seinem selbst zu erzählen und dies einfach mal aufzunehmen . Ergeben sich dadurch mehr Möglichkeiten trotz aller Verschiedenheiten , Verrücktheiten Freunde zu sein ?
Denn wenn der Raum entstehen kann für ein „echtes Dasein „ von mir und dem anderen dann ergeben sich vielleicht mehr Möglichkeiten.
Zu solchen Gelegenheiten kommt es nicht mit vielen Menschen , denn die eigene Vorsicht oder auch die des anderen ist da.verplempern wir unsere Zeit an der Oberfläche anstatt uns wirklich nah zu sein ?
Ich merke Freundschaft ist das immer wieder realisieren der unterschiedlichen Bedürfnisse und leider kann ich das nicht gut fühlen , aber ich denke es ist wichtig diese ernst zu nehmen . Und wohl vergeben scheint mir wichtig , denn gute Freundschaften brauchen auch mehr Sensibilität um diese erhalten zu können .
Vielleicht ein bisschen so wie ein Blumengarten der am Schluss erstrahlen kann aber auch die Zeit des Winters zusammen hat .

Michael Pfeiffer

Das ist ein sehr schönes Bild!

Carolin Philippsen

Ich finde die Darstellung der Unklarheit sehr gelungen und musste direkt an meine Schulzeit und meine damaligen “Freundinnen” denken, die sich leider zu oft als “Freindinnen” herausstellten.

Michaela N.

Ersteinmal finde ich das Wortspiel sehr schön. Freinde. In den Jahren muss ich gestehen das mich das Thema Freundschaft und Feindschaft weniger persönlich getroffen hat, als ich mir bewusst wurde, dass das wichtigste ist, mein eigener Freund zu sein.
Freundschaft und Feindschaft, alles hat nur für einen Moment Bestand. Aber sich selber begleitet man sein ganzes Leben.

Gwendolin Simper

Vielen Dank! Ja, sein eigener Freund zu sein, muss man mühsam erlernen.

Michaela N.

Ja, in der Tat ein Lernprozess der uns unser gesamtes Leben begleitet.

Michael Pfeiffer

Mir scheint, dass es in der Gegenwart einen allgemeinen Trend zur Vereindeutigung der Welt gibt. Es fällt immer schwerer, Mehrdeutigkeiten und Ambivalenzen auszuhalten. Menschen "sind" aber genau das: unverfügbar.
Die Kategorisierung von Menschen leistet in erster Linie eine Vereinfachung dessen, was uns im Gegenüber als unbezähmbar Fremdes begegnet.
Kategorisierung ist einfach, energiesparend und normativ durch nichts zu rechtfertigen.
Interesse, das dazwischen sein (inter esse), ist schwierig, kraftzehrend und achtet die Unantastbarkeit der Menschenwürde.
Das Bild, das ich mir von einem Menschen mache, ist ein Verbrechen an diesem.
Es wäre ein Beispiel des naturalistischen Fehlschlusses, aus der behaupteten "Natürlichkeit" der Kategorisierung von Menschen deren normative Rechtfertigung abzuleiten.
Es hilft nichts, außer der Offenheit, Menschen jeden Tag aufs neue kennen zu lernen...

Marcin Lupa

Das wäre das Ideal. Der Mensch jedoch schätzt ständig ein. Ohne diese Einschätzungen wäre er hilflos.
Klar wäre es edel und großmütig zugleich, unvoreingenommen und ohne Urteil dem Fremden zu begegnen, doch ist es nicht möglich ohne sich ständig anpassende Urteile über andere sein Leben zu bestreiten.

Was die Menschenwürde angeht, so ist es wiederum ideel von einer Unantastbarkeit auszugehen und das Grundgesetz zu achten. Das Leben, der Alltag in unserer Welt spielt sich aber jenseits dieser Vorstellung ab. Was nicht heissen soll, dass diese Tendenz per se gut ist. Doch was am Menschen ist gut? Bisher ist mir ein solcher nicht begegnet. Und gäbe es ihn, wäre er nicht überlebensfähig, man würde ihn kreuzigen. Früher, heute, morgen.

Eine gewisse Voreingenommenheit scheint mir menschlich allzu menschlich. Kennt man seinen Feind aber bereits, fällt man automatisch ein Urteil.

Das Edle und Erhabene scheint mir auf dieser Welt nicht erreichbar. Es ehrt einen es anzustreben, dem Ideal gerecht zu werden, dürfte unerreichbar sein.

Wir müssen nicht einer Meinung sein, Herr Pfeiffer.
Es ehrt Sie wenn sie unvoreingenommen durchs Leben gehen, lassen sie mir meine Einschätzungen und auch die kleinen Fehlurteile. Ecce homo.

Die gesamte Wahrscheinlichkeitsrechnung lebt von einer grundsätzlichen Fehleinschätzung, sämtliche Gutachten tun dies auch.

Andrea Hack

Jeder Mensch ist ein eigenes Individuum , und letztendlich kann man ja ständig neue Entscheidungen treffen wer man sein möchte . Ich glaube aber auch , dass gewisse Formen die in uns da sind aufgrund von genetischen Gründen oder vielleicht auch geologischen Gründen wo wir herkommen , immer da sein werden wie ein unverwechselbarer Geruch oder vielleicht ist es ein bisschen wie ein „Pass“ der seine eigenen Koordinaten hat.
Ich finde Kategorisierungen auch nicht sehr sinnvoll , aber mir ist es passiert dass ich einfach mit Menschen aus Regionen der Welt dann das selbe Gefühl bezüglich gegenseitiger Achtung zum Beispiel erlebt habe . Und das ohne diese vorher eingeordnet zu haben.
Es scheint einfach in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlichen Umgang zu geben und diese scheint sich für mich dann wiederzufinden
Das fand ich erstaunlich .
Ich hatte viele verschiedene Menschen als Kunenkontakte und habe das an mir bemerkt
Das ist ja dann eigentlich auch schon eine Vereinheitlichung aber es war nur ein Gefühl das sich einfach wiederholt hat , und ich spannend fand dass sich so etwas unwillentlich wiederholt eben von ähnlichen Bevölkerungsgruppen


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