John Scheid, Rom verstehen. Das Römische Reich in Infografiken

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Dr. John Scheid, Professor an der Collège de France in Paris und Althistoriker für Religion, Institutionen und Gesellschaft des antiken Rom, hat in Kombination mit Nicolas Guillerat, einem Grafikdesigner, „Rom verstehen. Das römische Reich in Infografiken“ herausgegeben.

Es ist also, wie der Name verrät, kein dicker Band, um sich en détail über das Römische Reich zu informieren, sondern ein Exemplar, um sich das Wichtigste vor allem grafisch zu Gemüte zu führen. Im ersten Teil „Gebiet und Bevölkerung des Römischen Reiches“ werden die Grundstrukturen der Stadt am Tiber behandelt. Wie konnte sich eine kleine Stadt zu einem Weltreich entwickeln? Über welchen Raum erstreckte sich die Stadt in welcher Zeit? Die aufbereiteten Grafiken veranschaulichen exemplarisch, zu welchen Sphären Rom aufstiegen war. Faszinierend sind die Grafiken hier allein dadurch, dass sie super übersichtlich gestaltet sind und eine Menge an Informationen liefern: nicht nur die (geschätzte) Einwohnerzahlen ab 250 v.Chr. werden dargestellt, die natürlich keine hundertprozentige Genauigkeit beanspruchen können, doch aber wegen der Zensuslisten und zahlmäßigen Quellen eine halbwegs gute, sondern auch die Fläche und in welchen Jahren sie durch den Imperialismus-Anspruch der Römer vergrößert wurde. Interessant war es auch, einen Einblick in die Regionen innerhalb Roms um das Jahr 7 v.Chr. zu erhalten: wie viel der Fläche (innerhalb der Mauern ca. 17 890 000m²) wurde mit welchen Gebäuden versehen? Zu allen Grafiken werden kleine Texte verfasst, die weitere Informationen liefern oder auf Probleme respektive Schwierigkeiten hinweisen (wie bei der Entwicklung der Einwohnerzahl).

Im zweiten Teil „Verwaltung, Verehrung, Versorgung“ wird zuallererst das politische System der Römer vorgestellt; besonders gut hat mir die Ausführlichkeit dessen gefallen, da nichts ungeklärt bleibt. Besondere Aufmerksamkeit wird auch dem Kaiser bzw. Prinzeps (ab Augustus) gewidmet, wie ist die Kaisertitulatur zu verstehen; welche Herrscherdynastien gab es zu welcher Zeit? Wenn Rom thematisiert wird, darf auch eins nicht fehlen, nämlich die Religion und der Staatskult, die ebenfalls beide ausgiebig behandelt werden. Völlig neu für mich, der ich mich schon mit vielem befasst aus dem römischen Kult befasst habe, war der Ablauf eines großen Festes wie z.B. die Säkularfeier. Auch die Ausbreitung des Christentums wird anschaulich dargestellt anhand einer Karte des römischen Imperiums.

Den gewichtigsten Teil dieser Darstellung nimmt „die römische Militärmacht“ ein: Krieg war in der Antike schließlich kein ephemeres Phänomen. Von der Legion, der Kriegsformation der Ausstattung eines einzelnen Soldaten bis hin zur Lagerausstattung wird alles dargestellt. Einprägsam fand ich hier das Kapitel über die Ernährung sowie die Schwere der Ausrüstung sowie die Distanzwaffen, die eine Weite von über 600m erreichen konnten, um gegen Befestigungen vorzugehen. Anschaulich dargestellt wird das am Beispiel der Belagerung Jerusalems im Jahr 70 n.Chr. Einen wichtigen Teil nehmen hier auch die Kriege gegen die Großmacht Karthago ein. Es werden die wichtigsten Kämpfe dargestellt und mit Informationen versehen, die einen mitten in das Geschehen katapultieren.  

Mich hat dieser Band extrem beeindruckt. Eine sehr schöne Darstellung mit wenig Text und schönen Grafiken, die alles prägnant wie eine Art Nachschlagewerk zusammenfassen. Daher eine klare Kaufempfehlung – auch für Lehrer sehr geeignet, um Schülern etwas an die Hand zu geben!

 

Kommentare (2)

Gabriele Jung

Herzlichen Dank Herr Rosenboom für diese sehr interessante Rezension. Ich habe gesehen, dass Nicolas Guillerat auch mit anderen Historikern zusammengearbeitet und ähnliche Bücher zu anderen Themen gestaltet hat, unter anderem eines über den 2.Weltkrieg. Ich merke mir Ihre Empfehlung auf jeden Fall vor, scheint sie mir doch eine sehr gute Möglichkeit, sich über die Strukturen im Römischen Reich einen guten ersten Eindruck zu verschaffen.

Luca Rosenboom

Vielen Dank für den Hinweis, Frau Jung, das wusste ich noch gar nicht. Ich denke, das Buch über den 2. Weltkrieg werde ich mir dann auch alsbald bestellen, weil mir dieses hier so gut gefallen hat. Auch wenn ich mich schon viel mit Rom beschäftigt habe, so war es sehr gewinnbringend vor allem z.B. in Bezug auf die Bevölkerungsanzahl, die man so nirgends in Monographien findet.


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