Die Kunst des Schenkens – Ein paar Überlegungen

Lara Hitzmann • 22 Dezember 2021
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Die Kunst des Schenkens – Ein paar Überlegungen


Am Heiligen Abend werden im Christentum traditionell Geschenke verteilt. Hierbei zeigt sich oftmals, wie gut die Oma ihr Enkelkind kennt; ob die Kinder wissen, was die Lieblingstante so mag und welches Familienmitglied nicht so hoch im Kurs steht. Es herrscht ein regelrechter Geschenkezwang, der bereits Wochen zuvor für viel Stress sorgt. Gerade bei größeren Familien oder einem umfassenden Freundeskreis ist man dankbar, wenn einem schnell die zündende Geschenkidee kommt. Durch den Einzelhandel und das Online Shopping, Werbemails, Newsletter und Anzeigen werden wir täglich daran erinnert, gute Geschenke für zu finden. Am 24. Dezember stellt sich dann die nächste Hürde: Kann man seine Freuden über das Weihnachtsgeschenk nicht in notwendigem Umfang präsentieren, so herrscht direkt Unmut unterm Weihnachtsbaum. Also denken Sie daran: Freude im Übermaß!


Geschenke zu Weihnachten sind purer Stress. Dabei sagt man doch immer, dass das Schenken sowohl Glück für die beschenkte, als auch der schenkenden Person bedeutet. In der Moralphilosophie vertreten einige die Meinung, dass Schenken reiner Eigennutz sei. „Welch Verführung, zu schenken! Wie angenehm ist es doch, freundlich zu sein“, schreibt Bertolt Brecht. 


Die Kunst des Schenkens ist eine von vielen Künsten, die das Leben schöner und reicher machen“, schreibt der Philosoph Wilhelm Schmid. Für ihn sind Geschenke ein Ornament von Beziehungen. 


Entscheidet man sich dafür zu schenken, so ist es gar nicht so leicht, ein gutes Geschenk zu finden. 
Oftmals wird dann zu Geldgeschenken gegriffen. Dadurch kann sich die beschenkte Person dann selbst mit der Frage auseinandersetzen, was sie denn eigentlich haben möchte. Nun bedeutet dies auch gleichermaßen, dass sich die schenkende Person davon freikauft, sich mit der zu beschenkenden Person auseinanderzusetzen und sich in sie hineinzuversetzen. 


Beliebt sind auch Geschenke, die mehr über einen selbst aussagen, als die Interessen des Beschenkten widerzuspiegeln. Ein Beispiel: Wenn ich meinem Freund nun eine Platte von meiner Lieblingsband schenke, weil ich hoffe, er würde sie durch dieses Geschenk gern hören, dann ist das eigennützig und ich verzichte darauf mich zu fragen, was ich ihm schenken könne.


Vereinfachen soll die Kunst des Schenkens durch sogenannte Wunschlisten. Diese Wunschlisten ungemein praktisch, wenn man vermeiden möchte, von einer Unmenge an Marzipan oder einer exzentrischen Halskette unter dem Weihnachtsbaum überrascht zu werden. Klar, so eine Wunschliste hat den Vorteil, dass die zu beschenkende Person nicht enttäuscht wird. Andererseits wird die schenkende Person wiederum entlastet, sich mit der zu beschenkenden Person auseinanderzusetzen. Nun dämpft dies die Freude auf die Geschenke um einiges ab.


Aber ist dies nicht die wahre Kunst des Schenkens? Durch Überlegungen und Geduld wirklich herauszufinden, was sein Ziel mag, was seine Fähigkeiten und Stärken sind und wie man es darin bestärken kann. Und es dann damit zu überraschen. 
Hat man sich einmal durch das Meer an Werbung und Geschenkeideen im Internet durchgeklickt, so sind sich alle einig: Das schönste Geschenk ist, gerade in Zeiten des Konsumwahns, gemeinsame Zeit. 


Falls Sie sich doch für ein materielles Geschenk entscheiden sollten, vergessen Sie nicht: Geschenke sind keine Dankeseinforderer oder Schuldgefühletilger!

 

Wie handhaben Sie das Schenken an Heilig Abend und Weihnachten? Und freuen Sie sich über Geschenke? Wenn ja, über welche?

 

Weiterführende Links: 
https://www.deutschlandfunkkultur.de/vom-geben-und-nehmen-die-kunst-des…
https://www.deutschlandfunkkultur.de/weihnachten-kleine-philosophie-des…
https://www.bull-bear.de/psychologie-des-gebens-und-schenkens.html
https://www.hbs.edu/ris/Publication%20Files/10-012_0350a55d-585b-419d-8…
https://www.spektrum.de/kolumne/warum-schenken-wir-uns-etwas-zu-weihnac…
https://www.op-marburg.de/Marburg/Die-Philosophie-des-Schenkens 
 

Kommentare (6)

Marcin Lupa

Grundsätzlich bin ich mit Weihnachten überfordert. Der Anlass ist ein Guter, denn es gilt zu feiern, dass eine Weltanschauung, eine bestimmte Art sich zu verhalten und zu benehmen, eine Wertigkeit an ihren Ursprung, nämlich das Geburtstagsfest des Messias erinnert wird. Und dann feiern wir alle Jahre wieder, dass der Christus zur Welt kam und uns gemahnte, nett zu einander zu sein. Prinzipiell eine gute Sache, wüßten wir nicht so viel von einander, das uns dieses Wohlverhalten unmöglich macht.

Aber zu denen können wir weiterhin nett sein, die uns gegenüber wohlwollend auftreten. Und diese beschenken wir.

Dabei gehe ich immer davon aus, dass mir im Jahresverlauf Dinge begegnet sind, die ich mit anderen mir wichtigen Menschen teilen möchte. Allerdings mache ich kleine Geschenke nicht nur an Weihnachten, vielmehr das ganze Jahr über. Und da schenke ich stets etwas, was ich glaube, dass andere erfahren sollten, haben sollten, von dem sie profitieren.

Oder anläßlich des Weihnachtsfest, meiner Frau und ihrer Tochter, das was sie sich wünschen. So ist es unkompliziert.

Lara Hitzmann

Lieber Herr Lupa, was für ein harmonisches Weihnachtsfest! Auch ich stoße mich an dem christlichen Schwerpunkt des Weihnachtsfestes, aber bei dem Besuch in der Kirche und was noch dazu gehört nehme ich es mir frei zuzuhören und zu beobachten, was gelehrt wird und wie es sich Jahr für Jahr verändert und was inhaltlich nicht mehr ganz stimmig ist- für den Familienfrieden behalte ich diese Überlegungen aber für mich.
Weihnachten mit Kind hat auch einen ganz anderen Stellenwert, oder?

Marcin Lupa

Lara Hitzmann, leben mit Kind hat einen besonderen Stellenwert. Daher auch das Schenken und der Weihnachtszauber.

Franz Teichert

Liebe Frau Hitzmann, lieber Herr Lupa,
Geschenke sind Ausdruck dessen, was uns eine Beziehung bedeutet. Sie sind sicher kein „Ornament“ davon - was immer das auch bedeuten soll. Zum anderen geht es in der Adventszeit und
natürlich auch zur Weih-Nacht selbst primär um die Ankunft des Neuen. Das ist, auch unabhängig vom religiösen Kontext, ein sehr starkes Bild für Innovation. Und da steckt die „Kunst des
Schenkens“, nicht wie bei Schmid in einer plumpen Aufzählung von Möglichkeiten. Schmid denkt bei aller Verhaftetheit ans Thema Lebenskunst immer nur vom Begriff, nicht von der Erfahrung her. Dadurch bleibt ihm der „Nukleus“, der tiefere Sinn der Phänomene verborgen. Sie können seine „Kunst des Schenkens“ lesen, ohne danach auch nur im Ansatz besser zu verstehen, was sie Tante Sophie nun schenken sollten. Tante Sophie kommt in dem Buch nämlich nicht vor! Weil sie real ist! Und damit bleibt der Stress.
Akzeptiert man die Bedeutung des Festes, dann ist das Geschenk das Symbol des Neuen, ein Angebot für irgend eine Form von Veränderung. Aber
eingebettet in das Bemühen, der dieser
Zeit innewohnenden Schönheit eine entsprechende Atmosphäre zu verleihen.
Dann kann sogar das gemeinsame Essen
zum Geschenk werden, weil es nicht schon wieder das Übliche gibt, sondern irgendwas mit Überraschung - und das schmeckt dann auch noch.
Beste Grüße

Lara Hitzmann

Lieber Herr Teichert,

vielen Dank für Ihren optimistischen und schönen Ausblick auf die Weihnachtszeit und das Schenken!


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