Nikolaus von Kues

Lara Hitzmann • 26 November 2021
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Nikolaus von Kues


Der Philosoph Nikolaus von Kues oder auch Nikolaus Cusanus lebte von 1401 bis 1464 und gilt als einer der ersten deutschen Humanisten. Als Sohn des Kaufmanns Johann Cryfftz wurde Nikolaus 1401 in Kues (heute: Bernkastel-Kues in Rheinland-Pfalz) geboren. Somit datiert seine Lebenszeit im Übergang vom Spätmittelalter in die Frühe Neuzeit. 


Durch theologische Studien in Heidelberg, Padua und Köln erlangte Nikolaus das Priesteramt und war als Wissenschaftler bzw. Universalgelehrter tätig. Somit waren ihm die höchsten Ämter des öffentlichen Lebens zugänglich. 
Im Zuge seiner theologischen Laufbahn war er zunächst als Konzilmitglied in Basel tätig. Später wurde der Geistliche päpstlicher Legat in Deutschland, wo er sich unter anderem dem Hussitenproblem annahm. Zudem bekleidete er das Bischofsamt in Brixen und Generalvikar in Rom. Höhepunkt seiner Laufbahn war jedoch sein Amt als Ratgeber und Kurienkardinal von Papst Pius II. In dieser Funktion beschäftigte sich Nikolaus von Kues mit einer Reform des Klerussystems und der allgemeinen Kirchenreform. Im Alter von 63 Jahren starb Nikolaus von Kues in Umbrien.

Philosophisch war Nikolaus von Kues seiner Zeit um einiges voraus: Der Neuplatoniker beschäftigte sich vornehmlich mit der Frage um das Wesen des christlichen Gottes und nähert sich dieser philosophisch an. Nikolaus war der Meinung, dass eine Verbindung zu Gott nicht über Wissen, sondern über das Wissen des eigenen Nichtwissens entstehen würde. Diese Überlegungen hielt er in seinem Werk »de docta ignorantia« fest. 

»Gott ist durch Alles in Allem, und Alles ist durch Alles in Gott.«
Nikolaus von Kues


Nikolaus nahm an, dass man sich allein durch Mutmaßungen an Gott annähern können. Schließlich könne Gott alles sein, was sein kann. Seine Lehren wurden durch die sog. Koinzidenztheorie (coincidentia oppositorum) vervollständigt: Demnach fallen alle Gegensätze zu einer »Einfachen Einheit« zusammen. Diese zu erreichen sei das Ziel der geistigen Anstrengungen, denn es ist der schöpferische Urgrund des Werdens und gleichsam die »äußerste Einfachheit« und somit Gott, der auch als Maximales Minimum beschrieben werden kann. 

Während seiner Studien entwickelte Nikolaus von Kues gerade auf dem Gebiet der Philosophie innovative Ideen. Erst lange Zeit nach seinem Tod erlangte er für seine philosophische Arbeit die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Immerhin gilt er nicht nur als Begründer der wichtigsten philosophischen Bewegung der Frühen Neuzeit, sondern auch als Wegbereiter der kopernikanischen Wende. 


„Der Bau der Welt ist daher so, als hätte sie überall ihr Zentrum und nirgends eine Peripherie, denn Umkreis und Zentrum ist Gott, der überall und nirgends ist.“
Nikolaus von Kues

 


 

NikolausBrösch, Marco / Euler, Walter Andreas / Geissler, Alexandra / Ranff, Viki / (Hrsg.)

Handbuch Nikolaus von Kues

Leben und Werk

Das breite Werk des Nikolaus von Kues (1401-1464) erstreckt sich von philosophischen Schriften über Werke zu Theologie, Kirchenpolitik bis zu mathematischen Abhandlungen. Das macht ihn zu einer der faszinierendsten Gestalten der europäischen Geistesgeschichte.

Zum 550. Todestag erscheint endlich erstmals ein umfassendes Handbuch zu Nikolaus von Kues, das alle Aspekte seines Lebens und Werkes berücksichtigt. Internationale Fachgelehrte bieten hier eine Einführung in die Zeit und eine chronologische Darstellung des Lebens des Nikolaus von Kues. Eine Vorstellung aller seiner Schriften wird mit ausführlichen Kommentaren zu Wirkung und Rezeption der cusanischen Werke ergänzt. Der schnelle Zugriff auf Informationen zu allen Schaffensbereichen des Ausnahmedenkers wird durch eine Zeitleiste zum Leben des Gelehrten, ein Register und eine Bibliographie erleichtert. Ideal auch als Einstieg in das beispiellose Werk des Nikolaus von Kues!
 

Das Buch finden Sie auch im wbg Shop.

 

Kommentare (3)

Uwe Seelinger

Mich beeindruckt immer wieder die Fülle an hochwertiger Literatur, die erscheint, nicht nur von der WBG, auch von anderen Verlagen. Viel mehr, als das noch vor 30 Jahren der Fall war. Auf der anderen Seite wissen wir, das ein großer Teil der Menschen nicht mehr liest. Oder falls doch, ganz selten Literatur auf diesem Niveau. Mir scheint, die Verlage leben von wenigen Lesern, die aber dafür immer mehr kaufen. Ich kaufe nur noch sehr wenig, weil ich mit dem Lesen nicht mehr hinterher komme. Es macht keinen Sinn mehr.

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  • Jürgen Germann

    Sie sprechen ein allgemein erfahrbares Dilemma an. Es besteht aus mindestens 3 großen und komplexen Sachverhalten.
    (1) die riesige Produktion (und Tradition) von "Literatur" im weitesten Sinn -
    (2) die Vielstimmigkeit der Autoren, die alle "auch etwas Wichtiges zu sagen" haben –  oder dies meinen.
    (3) der Mangel an genügend zuverlässigen Ratgebern, Wegweisern, Begleitern, Lehrern und Mentoren geistiger und sachlicher Qualität.
    Selbst die üblichen – gleichwohl Massen an medialen – Rezensionen und Feuilletons sowie die zahlreichen wissenschaftlichen Referenzorgane leisten solche Auswahl und Aufschlüsse in unserer Zeit nicht mehr zuverlässig und wirkungsvoll genug, wie mir scheint.

    Deshalb können und müssen wir uns meist selbst in einem wachsenden Meer von guten und wertvollen bis mäßigen und schlechten Werken umschauen und bedienen, ohne eine frühzeitige Orientierung zu erhalten, was auf jeden Fall primär zu lesen und nach-zudenken wäre (auch ohne kanonischen Zwang: Wegweisung kluger Zeitgenossen). Deshalb ist aber ein guter Leitfaden – wie der oben genannte und rezensierte zu Cusanus – möglicherweise e i n wichtiges M i t t e l, sich mit T e x t e n von Cusanus (oder anderen) denkend auseinanderzusetzen, die | wenn man sie selbst gelesen hat, statt sich nur ü b e r diesen Autor und (Werk-)Rezensionen | Rezeptionsmeinungen zu unterhalten.

    Wird unser Denken frühzeitig gut geübt und findet es starke Anregungen und auch Denkwege und Lösungen, wäre vielleicht eine leichtere, weniger streitbare und bessere Verständigung über das Wichtigere im Leben und Denken und in der Welt möglich – auch ohne den ganzen "Rest" auszuschließen oder zu verdammen. Das weniger Lohnende würde dann vielleicht eher am Rande und spärlich rezipiert werden.
    Leider weiß ich auch keine Lösung für dieses Dilemma. Außer: W e n i g e s, dafür aber genau lesen und d u r c h d e n k e n – und das gilt vor allem für solche (wichtigen) Autoren und Werke, von denen man leichtsinnigerweise annimmt, man w i s s e und v e r s t e h e schon, was der "sage und gedacht habe", was man aber aus zweiter und minderer Hand und Denke nur unverstanden verbal übernommen hat.

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  • Lara Hitzmann

    Lieber Herr Seelinger,
    Sie haben vollkommen Recht. Das Wissen, in seinem Leben nicht alles lesen zu können, was man sich vornimmt, ist hart. Deshalb finde ich den Rat von Herrn Germann, sorgsam zu selektieren, mit welchen Büchern und Themen man sich beschäftigen möchte, gut. Andererseits sagt mir der Gedanke auch zu, dass wir uns ein Leben lang mit der Literatur, Geschichte, Philosophie, etc. beschäftigen können, ohne jemals ausgelernt zu haben. Die Frage, die sich jeder einzelne stellen muss ist jene, welches Ziel er oder sie verfolgt.

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