Die Ökonomie von Gut und Böse

Marcin Lupa • 16 November 2020

Liebe Community,

hier sowie im Anhang mein Beitrag.

Beste Grüße
Marcin


Die Ökonomie von Gut und Böse

Adam Smith schrieb zwei große Werke, die sich zum Einen mit der menschlichen Ethik befassen, zum Anderen mit dem menschlichen Eigennutz. Das eine ist die „Theorie der ethischen Gefühle“, das andere ist der „Wohlstand der Nationen“.

Beide Werke sind Standartliteratur bei Sozialwissenschaftlern. So berichten einige Ökonomen, dass man beide Werke nicht getrennt rezipieren kann. Das eine kommt ohne das andere nicht aus. Scheinbare Widersprüche sind eigentlich Entwicklungen. Zu den menschlichen Empfindungen gehören seine Bedürfnisse und Begierden. Ohne Eigennutz ist kein Erfolg möglich. Wie aber lassen sich Selbstbezogenheit und Empathie verbinden?

Wenn ein Mensch sich einer Sache widmet, so will er dabei in erster Linie überleben. Er will, wenn das Überleben gesichert ist, möglichst auch viel Qualität in sein Leben bringen und so denkt er an seinen Nutzen. Was nützt ihm die Sache, der er sich widmet? - er wird nicht nur selbstlos handeln, sondern stets auch auf den eigenen Vorteil bedacht sein. Es steht aber nichts im Wege, dass er auch den Vorteil seiner Mitmenschen bedenkt.

Ein Händler verpflichtet sich seinerseits den Vertrag zu erfüllen. Dieser besteht aus zwei
Willenserklärungen, die des Verkäufers, der eine Sache anbietet und die des Käufers, der sich
verpflichtet, den Angebotspreis für die Sache zu zahlen. So profitieren beide von der Erfüllung des Vertrags. Die Kaufkraft und der Gegenstand wechseln die Hand.

Nun gibt es diesbezüglich mehrere Szenarien. Entweder einer von den beiden Vertragspartnern hält sich nicht an das Ausgehandelte oder beide erfüllen die Bedienungen. Wenn das der Fall ist, deckt sich Eigennutz mit Sympathie. Das Glück des Verkäufers deckt sich mit dem Bedürfnis des Käufers. Dieser Fall ist die Grundlage des Handelns und sämtlicher Verträge. Alle Verhandlungen laufen darauf hinaus.

Der Staat muss regulativ einlenken, dass die eine Seite die andere nicht übervorteilt. Was aber wenn eine Seite so sehr auf ihren Vorteil bedacht ist, dass sie Mittel und Wege sucht, wie sie
Grundbedürfnisse vermarktet? So geschehen im Falle von Nestle, das Wasser privatisieren will. Es ist klar, dass Menschen Wasser brauchen, mindestens genauso stark wie die Luft zum Atmen. Und gerade dieses Primärbedürfnis will Nestle den Menschen gewinnbringend verkaufen. Mit welchem Recht und zu welchem Preis? - Wie kann Nestle Wasser so günstig erwerben, dass es dann Gewinne einfährt, wenn es dieses Wasser anbietet? Ist das legal? Zumindest ist Nestle darum bemüht, den Markt dafür zu schaffen. Und das alleine zeigt uns dass das Gleichgewicht zwischen Eigennutz und Wohlwollen gestört ist. Die Ökonomie von Gut und Böse positioniert sich zu Gunsten des Bösen und eine abstrakte Vorstellung bekommt Raum, Macht und Energie.

Wie verhält man sich da? - Will man das Böse zum Vorteil von wenigen Unternehmern nähren oder kämpft man dagegen? Hilft man oder unterbindet man?

Wirtschaftsfragen sind immer auch Ethikfragen. Wo es um Güter geht, geht es um
Moralvorstellungen und Rechte.

Zu viel Eigennutz des Einen, der die Rechte des Anderen einschränkt, sollte verboten werden oder verboten bleiben. So haben wir auch weitgehend die Sklaverei abgeschafft. Der Eigennutz der freien Menschen war dabei, die Unfreien zu versklaven und ihnen die Freiheit dauerhaft zu nehmen.

So konnten die freien Eliten daran profitieren, dass die unfreien Sklaven mehr oder minder
kostenlos für sie arbeiten und für ihre Gewinne sorgen. Das Eigentum war dabei äußerst ungerecht verteilt.

Dies ist auch heute noch der Fall, auch wenn es keine Sklaverei mehr gibt und die Tarifökonomie an ihre Stelle tritt. Menschen arbeiten für andere, für einen Mindestlohn oder sehr niedrige Löhne. Die einen beuten die anderen aus, um Gewinne einzufahren und ihren eigenen Nutzen zu maximieren. Auch das ist Ökonomie und letztendlich ist sie Böse. Man mag sagen, dass es der natürliche Weg der Dinge ist. Irgendwann in unserer Geschichte war Sklaverei natürlich und noch früher war es ganz normal, dass die eine Horde die andere raubt, vergewaltigt, plündert und mordet.

Nur hat sich unser Moralempfinden gewandelt und entwickelt. Und heute stehen wir nicht mehr da, wo wir vor 10000 Jahren noch gewesen sind. Morgen sind wir wiederum ein paar Schritte weiter. Ich denke ausgleichende Gerechtigkeit ist das Ziel.

Dabei gibt es immer zwei Wege, den des Guten und den des Bösen. Nie wird man nur das eine in sich fördern, einwandfrei. Doch lohnt es sich immer darum bemüht zu sein, das Gute anzustreben, für sich selber und für die Gesellschaft in der man lebt.

So spricht man heutzutage viel von Nachteilausgleich und Inklusion. Nicht nur im
Gesundheitswesen soll das gelten, sondern viel mehr auf den Märkten und in der Wirtschaftswelt.

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Kommentare (9)

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