Star Wars und die metaphysischen Orientierungsaufgaben der Moderne

Lara Hitzmann • 3 November 2021
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Star Wars und die metaphysischen Orientierungsaufgaben der Moderne

Wir sitzen im Kinosaal. Der Geruch von Popcorn liegt in der Luft. Meine Aufregung steigt exponentiell mit der Dämmung des Lichtes. Ein Moment der Stille in tiefer Dunkelheit. Ich weiß: Es geht weiter. Auf dem dunklen Hintergrund erscheint eine unendliche Anzahl von kleinen, leuchtenden Sternen. Ein imposanter Marsch wird abgespielt. Noch bevor die allbekannten Worte auf der Leinwand erscheinen, fühle ich mich unendlich klein, beklemmt, unwichtig. Es schnürt mir die Kehle zu. Einsamkeit macht sich in mir breit.
Das Gefühl verschwindet genauso schnell, wie es gekommen ist.

Die Unendlichkeit – gibt es etwas Angsteinflößenderes?

 

Die Filmreihe Star Wars gehört zu den erfolgreichsten Filmen weltweit. In den Science Fantasy Filmen, erscheinend seit 1977, geht es um Raumschiffe, fremde Völker und den Kampf gegen die dunkle Seite der Macht. Zu Beginn eines jeden neuen Star Wars Abenteuers werden die Besucher:innen mit dem weiten Blick ins Weltall in Stimmung gebracht. George Lucas, Schöpfer der Star Wars Filme, spielt mit diesem Moment und den auslösenden Gefühlen, dort im dunklen Kinosaal mit der imposanten Marschmusik

Der Professor i. R. für Systematische Theologie Linus Konrad Hauser führt dies darauf zurück, dass die in Star Wars transportierten Bilder mit dem »Sinnfindungsproblem der Moderne« agieren. 1943 schreibt Gottfried Benns über dieses Sinnfindungsproblem:

»[…]
Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
und was die Menschen wob und wob,
Funktionen nur von Unendlichkeit -
die Mythe log.

Woher, wohin – nicht Nacht, nicht Morgen,
kein Evoë, kein Requiem,
du möchtest dir ein Stichwort borgen -
allein bei wem?
[…]
«

Das Lebensgefühl, das Star Wars vermittelt, gibt kein »bündiges Verstehen unserer Wirklichkeit« her und zielt auf die Krise des Menschenbildes. Philosophisch lässt sich dieses Problem in vier metaphysischen Orientierungsaufgaben fassen, so Hauser.

DIE KOPERNIKANISCHE ORIENTERUNGSAUFGABE thematisiert die Sinnkrise, die die Menschheit seit dem Punkt beschäftigt, an dem ihr klar wurde, dass sie nicht der Mittelpunkt des Weltalls ist und sich damit auch nicht alles um die Erde dreht, also seit der Ablösung vom geozentrischen Weltbild. Wir müssen uns nun fragen, was unsere individuelle Existenz in den Weiten des Weltalls bedeutet.

DIE DARWINISCHE ORIENTIERUNGSAUFGABE beschäftigt sich damit, dass unsere Existenz entgegen der allgemeinen Annahme einer unendlichen Anzahl an Zufällen geschuldet ist. Die Menschheit war keine gezielte Schöpfung, die vor 7000 Jahren durch Gott geschaffen wurde. Wir sind Zufälle.

DIE FREUDIANISCHE ORIENTIERUNGSAUFGABE greift das Problem auf, dass wir versuchen unseren Platz in der Welt und damit unser Individuum zu bestimmen, obwohl wir nicht einmal unser eigenes Leben überschauen können. Das derzeitige »Ich« ist lediglich ein kleiner Teil des Individuums.

DIE ANDROIDISCHE ORIENTIERUNGSAUFGABE ist meiner Meinung nach die abstrakteste und gleichsam die radikalste Annäherung an die Thematik. Sie beschäftigt sich mit der Frage unseres Wertes, in einer Zeit, in der unsere eigenen technologischen Schöpfungen uns überlegen sein werden. Welchen Wert haben wir dann noch, wenn wir ein unbedeutendes Existenzkörnchen am unendlichen Sternenhimmel sind?

 

In seiner abschließenden Bewertung schreibt Hauser: »Vor allem adressiert Star Wars äußerst effektvoll genau diejenigen spirituellen Zweifel und Unsicherheiten, welche für eine Moderne charakteristisch sind, die zwischen der metaphysischen Verlustgeschichte der letzten Jahrhunderte und dem Bemühen, auch im Zeitalter der Technikbeherrschung noch eine Form der Religiosität zu finden, zerrieben wird.«

 

 

Literatur:

L. Hauser, Der Helden-Mythos und die Metaphysik der Moderne, in: Catherine Newmark (Hrsg.), Viel zu lernen Du noch hast. Star Wars und die Philosophie (Hamburg 2016) 25-42.

Kommentare (13)

Marcin Lupa

Ehre wem Ehre gebührt und ich sage gleich vorweg, die Interpretationen von Herrn Hauser mögen geisteswissenschaftlich auf einem viel höher liegendem Niveau gefertigt sein, als meine eigenen, nur dass ich Star Wars anders wahrnehme.

Ich würde mich freuen, wenn hier Mitglieder auch ihre Meinung dazu abgäben und reklamiere keine Allgemeingültigkeit für meine Thesen.

Ich hatte in meiner Jugend einen Freund, er ist jetzt Geschäftsführer beim Oberbayrischen Volksblatt in der Onlineredaktion, der ein grandioser Star Wars Fan gewesen ist. Nicht nur, dass er damals in den 90er Jahren alles von Star Wars sah und das mehrfach, er las auch die entsprechende Literatur und informierte mich über die Sith-Lords noch ehe irgendjemand wußte, wer oder was diese Lords sein sollten.
Mit ihm diskutierte ich viel über das Wesentliche bei Star Wars. In unseren privaten philosophischen Dialogen bezogen auf dieses profane Thema, klärten wir die Geschichte hinter der Geschichte. Die Hintergründe waren interessant, da George Lucas als er das Star Wars Universum schuf, sich vom chinesischen Tao inspirieren lies. Der Aspekt der alles durchdringenden Macht, die man gebrauchen kann, sowohl im positiven, wie auch im negativen Sinne, da ihre Quelle neutral ist, sie aber gleichermassen das Böse, wie auch das Gute im Menschen und allen humanoiden Lebewesen anzieht. Nach dieser Macht richtet sich alles im Universum aus, sie durchdringt alles und einige feinfühlige Kreaturen, scheinen dessen bewußt zu sein. Gleichzeitig gebrauchen sie diese Macht für ihre Zwecke. So auch die gute Rebellion und das böse Imperium.

Ich selber habe Star Wars illegal bereits im zarten Alter von acht Jahren im Kino gesehen. Mein Vater schmuggelte mich rein. Heute empfinde ich dieses Verhalten von meinem Vater als unverantwortlich. Ein achtjähriges Kind sollte so einen Film nicht sehen. Es ist noch zu früh, um mit einem derartigen Narrativ konfrontiert zu werden. Das bewirkt etwas im jungen Menschen und steuert sein Wahrnehmen und Verhalten nachhaltig.

Dieses Narrativ erzählt uns von dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Und konstruiert gleichzeitig eine ödipale Verstrickung, bei der es zwar keine Mutter gibt, dennoch ein bösartiger Vater überwunden werden muss. Vom Sohn. Dieser bietet dem Vater auch noch an, die Seiten zu wechseln, ihm zu folgen und aus der zerstörerischen Dunkelheit ans Licht zu treten.

Hierzu aus der Sicht eines reiferen, erfahreneren Menschen, der ich heute bin, zugleich ein paar Kritikpunkte: so einfach stellt sich das Gute und das Böse nicht vor. Es ist alles viel komplizierter, denn das Böse scheint verwoben zu sein, in ein Geflecht mit dem Guten darin. Unterschiedliche Muster zwar, die sich abwechseln und im selben Lebens-Quilt eingespannt sind. Und subtil ist es auch, denn oftmals erscheint uns eine Handlung als gut, und wird von jemanden anderem, aus seiner eigenen Perspektive gänzlich anders gewertet und beurteilt. Ebenso im Bezug auf das Böse.
Die moderne Philosophie schließlich zweifelt sogar an der Existenz dieser Kräfte, vielmehr geht sie davon aus, dass die komplementären Extreme abhängig sind, von der Situation in der sich Individuen, Institutionen und Systeme befinden.
Existenziell bleibt Star Wars allzumal. Auch wenn ein Vater kaum einem Sohn Folgeleisten wird. Manchmal aber wäre dieses Verhalten das vernünftigere.

Star Wars psychologisiert, wo wir unsere Konflikte erleben und stellt sie als Handlungen eines epischen Kinospektakels dar, nach den Gesetzen des Theaters, mit einer Entwicklung, die im antiken Drama wurzelt: das Trauerspiel in drei Akten, zwei Tragödien und eine Komödie, die den Zuschauer und die Zuschauerin entspannt, sie mit einem Lächeln und einer beruhigten Empfindung in ihren Alltag entlässt.
Die Helden sind gut, die Schurken böse. Eine Zweiteilung, wie sie in der Realität nur selten vorkommt. Es sei denn man hat es mit einem afrikanischen Warlord oder einem Diktator a la Stalin zu tun. Wo in der Moderne treten die Charaktere denn so klar definiert auf die Weltbühne?
Aber, es erzählt eine sehr wahre Geschichte, denn der Generationenkonflikt spielt sich vermutlich in beinahe jedem Haushalt ab, in dem Vater und Sohn zusammen leben. Und auch bei mir, war das Gerüst dieses Konfliktes vorhanden, viel später zwar, als in meiner Kindheit, in der ich den Streifen sah, dennoch sehr profund erlebt und erlitten, ausgefochten mit sämtlichen Konsequenzen. Am Ende triumphierte jedoch nicht das Gute, das Vornehme, Edle und Vernünftige, sondern das Individuum mit mehr Energie und Lebenszeit. Ich musste meinen Vater überleben und beerdigen. Erst dann war ich frei. Doch mein Vater war kein Diener des Bösen und auch kein Spielstein eines Imperators, gegen den er sich wenden hätte müssen. Trotzdem repräsentierte er ein System, eine normative Ordnung und eine Tugend und Moral, die zu hinterfragen ist. Und genau das tat ich, als junger Mann, gleichsam Luke Skywalker, der das Imperium herausfordert, um es am Ende in Schutt und Asche zu legen. Mich hingegen verschlang diese gerade angesprochen normative Ordnung und zwang mich zur Anpassung. Was ein natürlicher Prozess zu sein scheint, denn mit zunehmendem Alter muss ich auch bequem werden und mich anpassen, ansonsten würde ich scheitern und ich hätte auf diesem Planeten nichts verloren. Was nicht heißt, dass ich mich politisch und auch sozial nicht weiterhin im Widerstand befände. Nur eben gemäßigt, angepasster, dadurch vielleicht erleichtert und zufriedener.

Ich möchte meinen Kommentar an dieser Stelle beenden und lasse die Frage offen, ob es bei Star Wars nicht eben um den Generationenkonflikt von Vater und Sohn, im Prisma des Kampfes zwischen Gut und Böse geht. Meine Interpretation dieses cineastischen Stoffes, geht eindeutig in diese Richtung.
Vielleicht ist es ein anderes Narrativ als das der biblischen Genesis. Der Vater hätte dem Sohn nichts zu verbieten, vielmehr klärt der Sohn den Vater über sein Fehlverhalten auf. Der jüngere Mensch den Älteren, der sich an allem Seienden vergeht. Ein Schelm der dabei Parallelen zu Fridays for Future und Greta Thunberg, einer Tochter der Moderne, sieht.

Und abschließend noch der Hinweis, in einem Kinosaal läßt sich dieser Film meines Erachtens nicht so gut genießen, wie im Heimkino. Statt Popcorn esse ich dazu Kartoffelchips in Balsamikoessig und trinke ein alkoholfreies Bier.

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  • Lara Hitzmann

    Lieber Herr Lupa,

    Vielen Dank für Ihren Kommentar! Zunächst muss ich gestehen, dass ich Popcorn Chips immer vorziehen würde, aber das soll nicht der Gegenstand dieser Diskussion werden. Mir ging es im Wesentlichen darum zu fragen, ob Sie auch dieses Gefühl am Anfang des Films vermittelt bekommen. Im Gespräch mit einer Freundin meinte die nämlich, dass sie den Beginn der Filme ganz anders wahrnimmt.

    "Ich möchte meinen Kommentar an dieser Stelle beenden und lasse die Frage offen, ob es bei Star Wars nicht eben um den Generationenkonflikt von Vater und Sohn, im Prisma des Kampfes zwischen Gut und Böse geht."
    Ihre Ausführungen fand ich sehr interessant und auch hier zeigt sich schon eine unterschiedliche Wahrnehmung in den Generationen. Als ich meinen ersten Star Wars Film gesehen habe, was das Star Wars Episode I und Sie sehen, für mich stand der Generationenkonflikt nicht im Raum. Der Kampf gegen Gut und Böse ist definitiv ein Teil der Filme. In den Filmen war mir das klar, weshalb welche Seite was möchte. Bei der Lektüre einiger Star Wars Bücher (ich meine es existieren rund 150 Bücher in der Star Wars Welt) musste ich dann enttäuscht feststellen, dass es noch Graue Jedi gibt und irgendwie sowohl die Jedi als auch die Sith wie religiöse Fanatiker wirkten.

    Aber ich gebe den Ball gern weiter und bin gespannt, wie andere dies empfinden!

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  • Marcin Lupa

    [~6693], grundsätzlich ist es eine gute Idee bei der wbg das Thema Star Wars anzusprechen. Zumal darin sehr viel interessante Psychologie steckt.
    Diesbezüglich eine Frage: was ist die Psychologie? - Eine exakte Naturwissenschaft oder eine Geisteswissenschaft, die viel Spielraum für Interpretationen läßt?

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  • Kalle Simon

    Sehr geehrte Frau Hitzmann,
    ich verstehe nicht, wie Star Wars die ANDROIDISCHE ORIENTIERUNGSAUFGABE als Thema aufwirft.
    Androiden sind im Star Wars - Universum doch Sklaven. Ferner sind sie mit Ausnahme ihrer Rechenfähigkeiten den übrigen Wesen dort nicht überlegen. Tatsälich wird der Vorteil menschlicher Klone gegenüber Droidenarmeen in Episode 2 hervorgehoben.

    Sehr geehrter Herr Lupa,
    ich stimme Ihrer Darstellung des einfachen Schwarz-Weiß-Denkens in Star Wars zu. Es sind klassische Motive aus klassischen Vorgaben, wie der Artussage.
    Allerdings werden Sie vielleicht feststellen, dass bei tieferer und nicht ganz ernster Betrachtung das Imperium vielleicht doch nicht so schwarz und böse ist, wie es zunächst erscheint und das klassische Schwarz-Weiß-Denken die Achillesverse des Sternenepos ist, da es teilweise selbstwidersprüchlich wird.
    So schaffte das Imperium zu großen Teilen den Sklavenhandel im Outer Rim ab, wo die Republik jahrelang versagte, beendete den organisierten Kinderhandel, den die Jedi mit fragwürdigen religiösen und metaphysischen Begründungen zum Erhalt ihres eigenen Kultes verübten, und beendete einen intergalaktischen Bürgerkrieg, der die Republik einst spaltete.
    Ferner beendete das Imperium sowohl die unethische Ausbeutung geklonter, aber fühlender Wesen, die Aufgrund ihres "Status" zwangsrekrutiert wurden, für eine Republik, in der sie weder leben noch wählen durften.

    Auf der anderen Seite sind die Rebellen nicht viel besser, was die Wahl und die Ausführung ihrer Kriegsziele angeht.
    Luke Skywalker ist de facto ein Massenmörder. Die Zerstörung des ersten Todessterns kommt der Zerstörung einer gigantischen Militärbasis gleich. Das beinhaltet auch ziviles Personal, wie Service- und Küchenkräfte, Bürokraten, Verwalter usw.
    Wenn das die helle Seite der Macht ist... naja...
    Han Solo ist als Schmuggler ganz offensichtlich ein Straftäter, der auch vor Mord nicht zurück schreckt.
    Prinzessin Leia ist als offizielle Vertreterin des Senates teil einer konservativen Verschwörung gegen die Regierung, die sowohl Informationen an Terroristen weiterleitet, als auch offizielle Staatskräfte bei den Ermittlungen behindert.
    Ferner tut sie das alles im Namen einer Doktrie, deren Kern im Grunde "Früher war alles besser" lautet.
    Obi Wan ist Vertreter eines fanatischen religiösen Ordens, der Kinder entführt und einer Gehirnwäsche unterzieht, die die Welt nach eigenem Gusto und wenig Reflexion in gut und böse einteilt. Ferner ist seine Weltsicht, die ganz offen von einem gewissen Standpunkt abhängig ist, so subjektiv, dass Wahrheit zu einem leeren Begriff ohne Inhalt verkommt.

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  • Marcin Lupa

    Sehr geehrter Herr Simon,

    dadurch, dass ich Star Wars als Kind geguckt habe, bin ich nicht so tief in die Materie eingedrungen. So wie sie es realistisch darstellen, erinnert Star Wars durchaus an die Verhältnisse bei uns auf Erden. So geht von sämtlichen Staaten Gewalt aus, die sogenannte Staatsgewalt. Und überall auf der Welt wird dagegen protestiert. Während in den westlichen Demokratien, der Staat noch verhältnismäßig milde und vernünftig waltet, gibt es Staaten, die eine aggressive und auch in vielen Fällen verheerende Politik gegenüber der eigenen Bevölkerung betreiben. Ob da Rebellion und Widerstand angebracht sind, muß man im Einzelfall prüfen. Die Frage ist, wie geht man mit staatlicher Oppression um?

    Es ist auch auf unserem Planten durchaus so, dass die widerstrebenden rebellischen Gruppierungen oft Systeme etablieren, die mindestens nicht besser sind, als die vorherigen staatlich legitimierten Strukturen. War in etwa der reale Sozialismus in Russland wesentlich besser als die Feudalherrschaft der Zarenzeit? - Wie erlebte der gewöhnliche Mensch diese Systeme und wie nahm er ihre Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten auf?

    Das Star Wars Universum scheint mir ein Märchen erzählen zu wollen, von guten Rebellen, die darauf verzichten würden, Macht zu mißbrauchen und Menschen zu determinieren. Und wie Sie es wunderbar schildern, passiert eben das gerade nicht. Jeder Rebell hat sozusagen den sprichwörtlichen "Dreck" seiner Aktivitäten an den Schuhen. Während wie sie sagen, das Imperium viel Gutes zu vollbringen vermag, außer die Sache mit dem Planeten, den der Todesstern einfach so vegpustet. Im Grunde erinnert mich dieses Universum an unsere moderne Parteipolitik, bei der es gilt, für sich zu entscheiden, welches geringere Übel man wählt, vorausgesetzt dass man es tatsächlich erkennt.

    Aber Sie haben Recht, Star Wars sollte man durchaus differenzierter betrachten. Für mich stellt sich der Fall so dar, dass ich am ehesten den Weg Yogas gehen würde und mit meiner Kernfamilie insofern sogar gehe. Denn mein Leben ist ein gesellschaftlich etwas angebundenes Emeritentum. Und ich gebrauche die Macht, die mir zur Verfügung steht, ausschließlich um mich über Wasser zu halten. Dabei versuche ich im Zuge meines Überlebenskampfs niemanden zu verletzten, wo ich es muss, weil ich angegriffen werde, nehme ich es schmerzhaft in Kauf. Ein großes Problem an dem ich seit nunmehr drei Jahrzehnten arbeite und zu keiner erfolgreichen Lösung komme, ist der Konsum von Fleisch. Dazu ist es nötig Lebewesen, die es genauso wie ich verdient hätten, zu leben, zu töten. Mein Geldbeutel erlaubt es nicht einmal, ihnen die Haftbedingungen einigermaßen erträglich zu machen und ich bin gezwungen, auf das günstigste Fleisch hinter der Ladentheke zurückzugreifen. Das ist für mich ein sehr großes und existentielles Dilemma. Hier sehe ich eindeutig meine Abhängigkeit von der dunklen Seite der Macht.

    Viele Grüße
    Marcin Lupa

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  • Lara Hitzmann

    Lieber Herr Simon,
    Sie haben vollkommen Recht: Die Figuren, die bei Star Wars in Richtung der intelligenten Maschinen gehen, sind nicht so wie im Worse Case Szenario unter "Androidische Orientierungsaufgabe" beschrieben. Aber gerade deshalb wird diese Sorge thematisiert. George Lucas beschreibt eine in den Filmen eine Möglichkeit, wie die Maschinen mit uns zusammenleben, ohne uns zu dominieren - konträr zu vielen anderen Filmen.

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  • Kalle Simon

    [~6693] Vielen Dank, jetzt verstehe ich den Punkt.

    Marcin Lupa Bitte nehmen Sie Star Wars nicht zu ernst.
    Meine Anmerkung war mit einem Zwinkern gemeint. Ich denke nicht, dass Star Wars eine tiefere Botschaft enthält.
    Es soll unterhalten.

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  • Marcin Lupa

    Herr Simon, das liegt daran, dass ich alles im Leben sehr ernst nehme. Ich bin ein furchtbar ernster und humorloser Mensch. Ohne Augenzwinkern. Ist so und ich will nichts daran ändern. Wobei ich mich schon immer mehr einer humoristischen Betrachtungen mancher mir ernst erscheinenden Inhalte öffne.

    Am ehesten gleiche ich einem Mr. Spock. Das ist so meine Art, eine vulkanische.

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  • Rüdiger Eduard Böhle

    Sehr geehrte Frau Hitzmann
    Gleich vorweg: ich kenne Star-Wars nicht; ich hege auch keine Intention, Star-Wars kennen zu lernen. Meine Anmerkungen begründen sich nur auf Ihren Aussagen. – Was Sie sagen, gilt, sonst nichts!
    #+#+# „Die Unendlichkeit – gibt es etwas Angsteinflößenderes?“
    Die Unendlichkeit flößt Ihnen Angst ein? – Wie das?
    Ihre lebhafte Phantasie produziert eine Vorstellung, deren Ursprung, Ihre Phantasie, Sie vergessen haben und daher sich Ihrer Produktion nicht bewußt sind. Das Phantastische mutiert ob dieser Vergessenheit zum Glauben an dessen Realität.
    Wann je standen Sie der Unendlichkeit, die Sie meinen, auf der Stufe von Erfahrung, und also konkret, gegenüber? Wenn Sie beim nächtlichen Spaziergange in einer lauen Sommernacht den Blick zum Firmament erheben (anstatt, ganz real, Ihr Alter Ego neben Ihnen innig wahrzunehmen) ?
    #+#+# Manipulation per Musik
    Sie sprechen die zweckrational kalkulierte Manipulation per Musik, die Sphäre der Stimmungen par excellence, seitens des Regisseurs präzise aus, nehmen jedoch Ihre eigenen Worte nicht ernst! Von Unendlichkeit keine Spur; von emotionalen Marionettenfäden die Menge!
    #+#+# Sinnfindungsproblem
    Ein „Sinnfindungsproblem“ resultiert aus der Empfindung, daß ‚eigentlich‘ ein eigenes oder eigenbestimmtes, ein eigenes Bestimmen des eigenen Lebens gar nicht statt habe; daß alles, was ist und sich ereignet ‚irgendwie‘ nichts ist. Dieses Nichtige des Lebens überhaupt und des eigenen im Besonderen, wie diffus auch immer empfunden, hält kein Bewußtsein aus. Ein Bewußtsein, das so empfindet, empfindet elementar die eigene Unfähigkeit, sich aus sich selbst heraus zu etwas Sinnvollem zu machen; empfindet einen elementaren Mangel an Souveränität. Das so elementar wie clare et distincte empfundene Nichts seiner selbst fordert die Aufhebung – im Vollzug des Nichtigen in der Spannweite des Vernichtens seiner selbst, und also des Suizid, über ‚Stink-Stiefel-Verhalten‘ im sozialen Kontext bis hin zur Aggression gegen Andere auf der Stufe von Gewalt und Terror.
    Das Ausmaß der Sinnlosigkeit im gemeinen Bewußtsein einer Sozialität spiegelt sich im Ausmaß des Selbstverständnisses von Aggression innerhalb einer Sozialität. Aggression resultiert einem – für sich selbst – sinnlosen und darum nichtigen / nichtenden [Heidegger] Bewußtseinsstatus.
    Das „Sinnfindungsproblem [nicht nur] der Moderne“ zeigt sich in der Logik des Sinnes: Sinn hat kein Ort in der Welt, so daß er hier gefunden werden könnte. Darum klappt Sinn-Suchen und Sinn-Finden nicht so richtig! Sinn hat seinen Ort in der Setzung; darum erst hier die stringente Forderung der Erfüllung! [subtile Erörterung dieser Thematik: Nicolai Hartmann; Sinngebung und Sinnerfüllung]. Jede andere Sinn-Vorgabe, wie etwa aus einem Meinen, einer Ideologie, einer Verschwörungs- und Apokalypsenlegende, dem Glauben und dessen Gottesvorstellung her konditioniert, repräsentiert eine äußerliche Anmaßung und fordert die Devotion; Solches terminiert daher auch ganz richtig ein Strafregister, um die Sinnfrage prinzipiell unter Kuratel zu stellen.
    en passant: wenn der Sinn nicht der Setzung entspringt, sondern in der Welt, die gerade gegenwärtig ist, gesucht und gefunden werden könnte, wäre es schon mehr als ein ungewöhnlicher Zufall, wenn ‚mein‘ Sinn in der mir aktuell gegenwärtigen Welt vorhanden wäre und nicht schon vor oder erst in 5000 Jahren! Was also machte ich armer Kerl, da ich heute lebe und mein Sinn lange vor mir oder lange nach mir in der Welt vorhanden und darum nur dort gefunden werden könnte: dumm gelaufen!
    Wenn der Sinn seinen Ort in der Setzung hat, dann hat der und nur der Sinn statt, der von dem, der an sich den Mangel eines Sinnes erfährt, als ‚sein‘ Sinn sich selbst gesetzt wird! Dann und nur dann bestimmen sich ein Sinn, dessen Sinnsetzung und dessen Sinnerfüllung zur Identität dieses Individuums da!
    Billiger ist Sinn nicht zu haben!
    #+#+# Gottfried Benn:
    in Parenthese: Welt und Ich. Ein Wort. Ach, das Erhabene.
    Zusatzverweis: Nicolai Hartmann; Sinnsetzung und Sinnerfüllung.
    p.s. Das Bedenken dieses Gedichtes, so behaupte ich – ganz subjektiv konnotiert, erbringt mehr als alles Star-Wars je vermöchte! – „die Mythe log“ versus "kein Evoe"; das wäre doch mal was!
    #+#+# Star Wars spiegelt die Krise des Menschenbildes
    Oh je! Wann in der Menschheitsgeschichte ab homo erectus lag keine „Krise des Menschenbildes“ vor? Der Fortgang seit jenen Zeiten bis zur aktuellen Gegenwart resultiert aus der jeweilen konkreten Antwort auf diese Krisis!
    Die Wandmalereien von Lascaux; die Rituale der prähistorischen Zeit, die Seele eines Tieres, das zum Zwecke der Nahrung getötet wurde, wie eines Baumes, der zum Zwecke des Herdfeuers wie des Hütten- und Palisadenbaues gefällt wurde, verweisen auf die Antworten auf eine konkrete Krisis des Menschenbildes.
    Liegt – in welcher konkreten Gestalt auch immer – ein wohl terminiertes und ‚krisenfestes‘, genauer: denkresistentes, Menschenbild samt Sinn-Terminus vor, dann sprechen wir von „Fundamentalismus“ und ordnen dieser Ideologie das Attribut „Steinzeit“ zu. (z.B. die Klerikalen und die Abtreibungsproblematik in den USA; der Fundamentalismus à la Taliban, IS, Al-Kaida …; politische / ideologische Diktaturen aller Couleur …) Die Realität des krisenlosen Menschenbildes: Terror und Armut! – nicht gerade eine Lobeshymne!
    Was in unserer Gegenwart auf dem Felde einer „Krise des Menschenbildes“ sich so trivial wie alltäglich und empirisch leichthin vernehmbar ausbreitet, gehört seit eh und je zum ‚täglich Brot‘, welches, wie gemeinhin bekannt, ‚im Schweiße des Angesichtes‘ beigebracht und die Not erledigt werden muß, wenn das Leben gewahrt werden können soll. – Die Geschichte erzählt es in epischer Breite. (Sind Sie nicht, wenn ich mich richtig erinnere, Historiker?)
    #+#+# Die vier metaphysischen Orientierungsaufgaben:
    KOPERNIKANISCH:
    Worin begründet sich ein solches „wir müssen uns fragen …“?
    Wir müssen gar nicht!
    En passant: der Paradigmenwechsel vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild hat ‚in unserem Kopfe‘ seine Ort – und hier hat statt, daß sich der Mensch unter diese Konzeption subsumiert, („seit Kopernikus rutscht der Mensch aus dem Zentrum in’s X“; Nietzsche), ohne sich dabei bewußt zu sein, daß, wie seit eh und je, das Bewußtsein der Mittelpunkt oder der Ursprung der Welt ist: der Mensch ist das Maß aller Dinge, daß, wie und warum die Dinge sind, wie ebenso daß, wie und warum die Dinge nicht sind! (Protagoras; süffisante Anmerkung ebenfalls bei Nietzsche nachzulesen: der letzte Mensch!)
    Vielleicht etwas konkreter: noch nie, auch nicht die Moderne in all ihren wissenschaftlichen Facetten, hat je irgendwo anders den point de vue verortet als bei sich selbst, und also ‚hier auf schlichter Erde‘! Konkret: im Bewußtsein des Menschen! Das Bewußtsein des Menschen ist der Mittelpunkt; wo denn auch sonst?
    Hier und nur hier wird der Kosmos, die Sonnensysteme, Galaxien … ‚gedacht und berechnet‘; die marginale Erde in diesem Horizont ist eben doch DER Mittelpunkt und DER Ursprung des Ganzen – natürlich nicht physisch, wohl aber ‚im Geiste‘; und an einem anderen Orte ist keine Welt, kein Kosmos, kein Sonnensystem …!
    Etwas trivial gefaßt: der Mensch sagt, daß dieses Tier da ein Hunde ist; der Hund weiß davon nicht nur nichts, sondern ihn kümmert’s auch nicht, was er ist! – Als Leeuwenhoek die Zoophyten fand, sprach die Wissenschaft hybride von einem lapsus naturae. Leibniz antwortet, daß nicht die Natur sich einen Lapsus erlaubte, sondern unser selbstverständliches ‚Schubladen-Rubrik-Denken‘, und also das uns geläufigen Selbstverständnis von Wissenschafts-Terminus erweist sich im Anblicke der Zoophyten als inadäquat; als Hybris!
    En passant: Copernicus wußte Solches ganz trivial, denn seine Begründung für seine Revolution: „es kommt mathematisch dabei besser heraus!“ [Es sei wieder einmal auf Leibniz verwiesen: point de vue!]
    DARWIN:
    Ist diese Aussage, daß wir „Zufälle“ sind, nicht ebenso sehr eine Hypothese wie die Schöpfung durch einen Gott und Darwin’s Aussage? Darwin kann im Gegensatz zur Schöpfung durch einen Gott und zum Zufalle des Menschen für sich eine argumentative Stringenz beanspruchen.
    Na ja, einen Nachteil hat Darwin: er konzipiert eine Hypothese wie alle Wissenschaft; aber seine Hypothese fällt in den Anmaßungs-Schredder des Glaubens, der Moral, der Sittlichkeit, der Werte und deren Hierarchie. Gegen diese Hybris hat kein Argument, keine Logik auch nur die geringste Chance!
    Die Schöpfung vor 7000 Jahren können wir im Kriterium des Faktischen beiseitelegen; auf der Meta-Stufe von Bedeutung und fernab der 7000 Jahre allerdings sieht es etwas anders aus: jeder Mensch wird, was er selbst aus sich macht: Zumal wenn es ‚von Bedeutung‘ ist, könnten wir es „schöpferisch“ nennen. [der Mensch ist Zweck an sich selbst; ein geistiges, und also, auch wenn’s im Anblicke der Realität etwas komisch klingen mag, ein schöpferisches Lebewesen; eine sprachlich ‚bedenkliche‘ Anmerkung: „die Schöpfung des Menschen“ wäre vielleicht auch vom doppelten Genitiv her zu begreifen!]
    FREUDIANISCH:
    Wenn dem so wäre, wie hier gesagt wird, stellt sich dem Bedenken in kritischer Distanz die Frage: woher können wir Solches wissen? Conditio sine qua non dieser Aussage: das Kontradiktorische der Aussage! Die Aussage widerlegt selbst, was sie behauptet. (zumindest contradictio in adjecto)
    ANDROIDISCH:
    Na ja, wenn die Logik der Sache außer Relevanz gesetzt wird, regiert das Meinen bis hin zur Phantasie. Ein uralt-Topos ist die Konzeption des Leviatan samt Mensch- und Weltbedrohung. – und wo läuft er nun rum?
    Werte (moralische wie sittliche) fundieren sich in der Subjektivität und maßen sich – bedenkenlos – die absolute Position an und halten alle kritische Position auf der Stufe eines Frevels von sich ab.
    Werte beanspruchen die absolute Position und fordern die Subsumption alles Anderen; werten bedeutet daher in concreto immer ein ‚Abwerten‘, weil das zu Wertende eo ipso niemals den Wert und seine angemaßte Idealität erreicht; wie wir beim Messen immer ein ‚Abmessen‘ vornehmen, weil das zu Messende niemals das Maß vollendet erreicht!
    Conditio sine qua non der Technologie: die Funktionalität. Funktionalität wird gesetzt und terminiert eine definitorisch konditionierte Beschränkung, die vom Beschränkten selbst, hier: von der Funktionalität oder der Technologie, nicht aufgehoben oder transzendiert werden kann, sondern immer nur an konkret auftretenden Schwachstellen, die auch noch erst einmal ‚festgestellt‘ werden müssen, perfektioniert. Solches leistet die Technik seit eh und je und schon auf der Stufe des Handwerks; effektiver auf der Stufe von Wissenschaft. Die Funktionalität vermag allerdings eines – wohl terminiert – nicht zu leisten: sich selbst zu transzendieren; was dem Menschen schon auf der trivialen Stufe des Alltages gängige Münze ist!
    In realitate: vermögen Sie mal locker vom Hocker und in Sekundenbruchteilen allein nur 112 786 359 + 799 342 786 zu summieren? Da ist Ihnen ein simpler Taschenrechner weit, weit überlegen! – Sind Sie darum „ein unbedeutendes Existenzkörnchen“ geworden? Wenn dem so sei: dieses unbedeutende Existenzkörnchen hat den Taschenrechner konzipiert, der weitaus besser summieren, subtrahieren, dividieren, multiplizieren kann als der Konstrukteur! Und so verhalten Sie sich ja auch: sie nutzen diese Ihnen weit überlegene Funktionalität zu Ihren Zwecken; und ohne Ihren Gebrauch, liegt diese Ihnen so weit überlegene Funktionalität einfach nur rum!
    Wenn Sie allerdings dieser Funktionalität den Wert zuordnen, weitaus mehr zu sein als Sie, dann kommen Sie auch ganz richtig in psychische Notsituationen bis hin zur pathologischen Psychose. Ihre Subsumption unter die absolute Position der Funktionalität entspringt aber nicht einem Absolutheitsanspruch der Funktionalität, – wie sollte auch eine Funktionalität einen Anspruch erheben können, und dann auch noch auf die absolute Position? –, sondern Ihre Subsumption unter die Konzeption einer Funktionalität entspringt alleine nur Ihrem – von Grunde auf – denkresistenten Bewußtseinsstatus.
    Ich nehme nicht an, daß Sie dieser Beschreibung Ihres Bewußtseinsstatus zustimmen. Wie wäre es also, daß Sie sich selbst und ihr Bewußtsein in concreto so ernst nehmen, wie Sie es für sich selbst beanspruchen! Dann hätte keine Funktionalität, mit welchem Namen sie auch auftritt, auch nur die geringste Chance, Sie zu verunsichern oder gar zu einem „unbedeutenden Existenzkörnchen“ abzuwerten! „Sapere aude! Habe den Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Wahlspruch der Aufklärung; Kant)
    En passant: es macht richtig viel Freude, selbst zu denken! Wie Ihre mannigfachen Aussagen hier im wbg-forum belegen, kennen Sie diese Freude sehr wohl! – Wie kommen Sie dann darauf, Hauser und seiner Minimierung des Menschen im Anblicke der Funktionalität zu Zwecken so zuzustimmen?
    #+#+# spirituelle Zweifel und Unsicherheiten:
    Wenn Star Wars „spirituelle Zweifel und Unsicherheiten“ qua Charakteristika der Moderne vorträgt und den metaphysischen wie religiösen Verlust anzeigt, dann kann’s allerdings mit der Moderne nicht weit her sein! Hierfür kennen wir seit Cicero den moralisch-pathetischen Ausspruch: o tempora, o mores!
    Doch den zuhöchst verantwortlichen Anspruch für die Menschheit schlechthin, den moralischen, sittlichen, wertemäßigen Verfall anzuklagen, erheben apokalyptische Gestaltungen seit eh und je. Die Geschichte zeigt in kühler Distanz deren Status auf: Phantasie ohne jeden Anhalt auf eine reale Einlösung. (Wäre auch ziemlich blöde für eine solche Aussage, wenn sie sich in concreto bestätigte: ihre Wirkung verpuffte!)
    Welche der unzähligen apokalyptischen Aussagen irgendeiner Religion, z.B. AT und NT, konnte sich je auch nur annähernd bestätigen? Na ja; Apokalyptische Legenden entspringen dem Bewußtseinsstatus der Denkresistenz. Dabei klammert sich deren erwiesene Hilflosigkeit gegenüber den mentalen Anforderungen einer als desolat empfundenen Situation an eine ins Transzendente hypostasierte absolute Position, um auf diese Weise das Desaster der eigenen mentalen Inkompetenz per virulentem Untergangszenarium für Andere zu kompensieren. Je grundlegender die gemeine Denkresistenz des sozialen Kontextes, desto erfolgreicher die Katastrophenlegende; wie borniert und abstrus diese auch sein mag. Conditio sine qua non: breit hin kein nachprüfbares Faktum!
    Wenn ein Theologe per Star-Wars das Fundament der Theologie, des Glaubens und dessen Gott erschüttert empfindet, dann kann’s wohl nicht so weit her sein mit der Theologie, dem Glauben und seinem Gotte! – Das wußte allerdings schon Nietzsche: Technik und Wissenschaft entspringen der Tatsache, daß Gott nicht mehr gut gedacht und noch weniger geglaubt wird!
    Mit freundlichen Grüßen
    Rüdiger E. Böhle

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  • Uwe Seelinger

    Diese Serien zeigen nicht das Alltagsleben. In Star Trek gibt es kein Geld, alle materiellen Bedürfnisse erfüllt der Computer, indem er Energie in Materie umwandelt (Tea, earl grey, heiss, und schwups materialisiert sich eine Tasse). Es gibt auch keine Drogen. Denn die Menschen entwickeln sich weiter, sie lernen, damit sind sie glücklich, so wird behauptet. Keine Krankheiten, alles wird sofort geheilt. Es gibt aber eine Folge, in der Captain Picard sein Leben in niederen Rängen verbringen muss. In dieser Folge stand er kurz davor, Selbstmord zu begehen. Er wurde kritisiert wie ein Schüler, das wollte er nicht. Ich persönlich glaube nicht, dass der Affe, der sich Mensch nennt, im 22 Jh. glücklich werden wird. Die Langeweile wird überhand nehmen. Schopenhauer wird recht behalten.

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  • Lara Hitzmann

    Lieber Herr Seelinger, ich hoffe tatsächlich, dass Sie falsch liegen und das 22. Jh. nicht von Langeweile geprägt ist. Ihre Gedanken zum Leben auf der Enterprise sind nachvollziehbar, aber handelt es sich dort nicht um ein Raumschiff, dass aus Forschungsdrang durch die Galaxis reist und deshalb weniger das Private im Vordergrund steht? In meiner vermutlich utopischen Vorstellung bedeutet eine Gesellschaft ohne Geld, Krankheiten und Kochen, dass man sich mit den Dingen beschäftigen kann, für die man sonst keine Zeit hat - Kunst, Musik, Freunde.

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  • Uwe Seelinger

    Die Drehbuchschreiber haben sich keine Mühe gegeben, wir werden es nie wissen können. Ich selber glaube einen Trend auszumachen, es ist gefährlich, diesen Gedanken zu veröffentlichen. Mir gefällt der Roman "Die Zeitmaschine" mit den Eloi und Morlocks. Wenn wir gesellschaftlich so weiter machen werden wir tatsächlich die Menschheit spalten auf eine Art, die für uns nur schwer vorstellbar ist. Lehrer wissen, wovon ich rede.

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  • Lara Hitzmann

    Beziehen Sie das nun auf Star Wars oder Star Trek? Star Wars läuft ja unter dem Genre Science Fantasy und ist kein Anspruch an eine mögliche Zukunft. Ich finde es total interessant, wie die Drehbuchautoren bei Star Wars mit unterbewussten Ängsten und Gedanken hantieren. Auch die Idee von Star Trek, mit dem ich mich allerdings nicht auskenne, ist meiner Meinung nach sehr kreativ, würde den Aspekt der Unterhaltung hier aber auch nich außer Acht lassen. Als realistische Zukunftsversion würde ich dies nicht deuten. Möglicherweise sind einige Aspekte der beiden Film- und Serienuniversen möglich und wahrscheinlich, das werden wir wahrscheinlich nicht mehr erleben.

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