Von der Wahrheit zur "gefühlten Wahrheit"?

wbg Redaktion • 18 November 2020

Von der Wahrheit zur "gefühlten Wahrheit"?

Postfaktisch ist das, was nach den Fakten kommt: die Nachricht über die Fakten.

Der Begriff "postfaktisch" macht den gravierenden Unterschied zwischen der Tatsache und ihrer Darstellung bewusst. Der weit verbreitete Irrtum, dass Ereignis und Bericht über das Ereignis identisch sind, wird damit aufgelöst. Er bringt eine neue Sichtweise im Bereich der Kommunikation hervor.
 
Worin liegt der Unterschied? Tatsachen werden persönlich erlebt. Nachrichten über Tatsachen können nur reduziert und verkürzt über Sprache und Bilder übermittelt werden. Und oft werden dabei Fakten bewusst aus dem konkreten Zusammenhang genommen dargestellt. Die Informationen über Fakten weichen derart weit von den Tatsachen ab, dass hier - auch ohne es beweisen zu können - gefühlt und gespürt wird, dass etwas nicht stimmt.
 
Wir fragen: Wer ist im Besitz der Wahrheit?


Buchempfehlungen


1Keazor, Henry

Täuschend echt! Eine Geschichte der Kunstfälschung

Beschreibung
Ob Dürer, Michelangelo oder van Gogh: Kaum ein großer Name der Kunstgeschichte, der nicht Betrügern und Kriminellen zum Opfer gefallen wäre. Die Liste prominenter Fälschungsfälle ist lang. Der Heidelberger Kunst-Experte Henry Keazor fragt nach und geht den Dingen auf den Grund. Wieso gibt es Kunstfälschungen überhaupt? Warum sind sie so erfolgreich? Mit welchen Methoden können sie enttarnt werden? Was treibt die Fälscher an? Geldgier? Eitelkeit? Größenwahn? Im Gang durch die Jahrhunderte werden Ursachen, Täter und Getäuschte konsequent benannt. Auch der sensationelle Coup des Wolfgang Beltracchi, aktueller Höhepunkt einer alten Geschichte, zeigt sich so in neuem Licht.


2Borchardt, Alexandra

Mehr Wahrheit wagen

Beschreibung

Die Krise des Journalismus geht uns alle an. Ausgerechnet in einer Welt der Überinformation herrscht Verständnislosigkeit zwischen denen, die Orientierung suchen, und denen, die sie von Berufs wegen bieten sollen. Das Wort „Lügenpresse" ist der in Wut gekleidete Ausdruck davon. Wenn sich aber Bürger und Journalisten als Gegner betrachten, nutzt das vor allem denjenigen, die ihre Machtinteressen durchsetzen wollen. Populistische Politiker, autokratische Regierungschefs, selbstherrliche Firmenlenker und selbst ernannte Experten profitieren davon, wenn Kontrollinstanzen wie die Medien diskreditiert werden. Den Schaden hat die Gesellschaft. Dabei ist gerade dann, wenn Demokratien unter Druck geraten, starker Journalismus existenziell. Alexandra Borchardt erläutert, wie es so weit kommen konnte. Sie zeigt auf, wie die Digitalisierung die gesellschaftliche Kommunikation und den Journalismus verändert hat. Und sie beleuchtet, was passieren muss, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und neues aufzubauen.


3Rootselaar, Florentijn van

Leben in schwierigen Zeiten - 15 Philosophen über Klimawandel, Fake News und andere Dinge, die uns den Schlaf rauben

Beschreibung

In Gesprächen mit 15 bedeutenden Gegenwartsphilosophen sucht Florentijn van Rootselaar nach einer neuen Weise, die Welt wahrzunehmen und unsere Zukunft zu gestalten.

Unter den Überschriften »Flüchtige Welt«, »Welt in der Krise« und »Verzauberte Welt« diskutieren Zygmunt Bauman, Martha Nussbaum, Alain Finkielkraut, Jacques Rancière, Michael Sandel, Susan Neiman, Hartmut Rosa, Bernard Stiegler, Bruno Latour, Peter Sloterdijk, Charles Foster, Roger Scruton, Terry Eagleton, Michael Puett und Tu Weiming Themen wie Nachhaltigkeit und Verantwortung, die Veränderung der Konsumgesellschaft und den Aufbau einer Beziehung zur Natur, Nationalgefühl und kulturelle Identität, das Für und Wider von Genmanipulation oder die Unterminierung unseres Vertrauens in die Welt durch Fake News. Sie fragen nach dem Sinn des Lebens, begeben sich auf die Suche nach Transzendenz und beschreiben den Wert von Achtsamkeit, Muße und Ritualen. So zeigen sie, wie die Philosophie Orientierung für das Leben geben kann.
 

 

 

 

 

 

Kommentare (9)

Maike Hinrichsen

Ich finde, Besitz der Wahrheit ist allein mit Wissen zu verbinden. Was wirklich "Wissen" ist, also ab von Glauben, Meinen und Vermuten, dies ist Wissen und dann Wahrheit!

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  • Petra Neubert

    Lieber Maike, vielen Dank für Ihre Einschätzung.
    Hat Wissen bei seiner Entstehung vielleicht auch mit glauben, meinen und vermuten zu tun?

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  • Petra Neubert

    Der Duden erklärt Wahrheit als die Übereinstimmung einer Aussage mit der Sache, über die sie gemacht wird.
    Wie stehen Sie zu Wortbildungen wie "die halbe Wahrheit", ein "Körnchen Wahrheit" oder "in Wahrheit" ist es folgendermaßen. Entfernen wir uns von der Wahrheit, indem wir vermehrt mit Nichtwissen oder Halbwissen konfrontiert sind?

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  • Maike Hinrichsen

    Liebe Petra, gute Frage, ich würde sagen, man kann auf dem Weg zum "Ich weiß" auch eine Vermutung haben, aber die Vermutung würde ich trennen vom Wissen. Genau so wie Ihre zweite Aussage für mich zu verstehen ist: die halbe Wahrheit ist getrennt zu sehen von Wahrheit, da auch die halbe Wahrheit zur Hälfte Unwahrheit bedeutet... auch beim Körnchen. :)

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  • Lutz Maurer

    Unwahrheit ist meiner Ansicht nach immer dann, wenn die Wahrheit nicht erreicht ist.

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  • Oliver Beck

    In Aussicht auf das Wahre ist es nicht unwahr, die Richtung definiert die Tendenz. Will ich lügen, dann will ich keine Wahrheiten.

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  • Thorsten Jacob

    Wer etwas weiß, der glaubt nicht. Und wer glaubt, der hat das Wissen noch nicht erreicht.

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  • Otto Hansmann

    Wer an weiteren Meinungen, An- und Weitsichten oder vielleicht besser: Beispielen interessiert ist, wie über den Begriff Wahrheit im Lauf der Geschichte gedacht worden ist, dem empfehle ich die Zusammenstellung von Hans Blumenberg: Die nackte Wahrheit, herausgegeben von Rüdiger Zill, suhrkamp taschenbuch wissenschaft (stw 2281), Berlin: Suhrkamp Verlag 2019.

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